Nordspanien und Portugal Frühling 2018, Teil 2
Über den Fluss MIÑO, der nach der Brücke MINHO geschrieben wird, reisen wir am 25. März 2018 in den Norden von PORTUGAL ein.
Das erste Ziel ist BRAGA bzw. sein Heiligtum BOM JESUS (guter Jesus). Weil wir bequem – aber auch ein wenig nostalgisch – sind, benützen wir die über 100 Jahre alte Standseilbahn um zum heiligen Ort auf dem Berg zu kommen.
Interessant ist die Antriebskraft der Standseilbahn. Sie fährt mit Wasserkraft. Oben wird der Tank unter dem dortigen Wägelchen mit Wasser gefüllt und der Tank des untenstehenden wird entleert. Das Gewicht des Wassers zieht den oberen Wagen nach unten und gleichzeitig den unteren über das Drahtseil nach oben.
Grosses Bild: der obere "Bahnhof". Oben rechts das entwertete Billet.
Weltweit gibt es noch 4 Standseilbahnen mit einem solchen Antriebssystem. Eine davon bringt die Leute von Freiburg im Üechtland (CH) von der Unter- in die Oberstadt und umgekehrt. Das dazugehörige Bildchen rechts unten stammt aus dem Internet. Interessantes Detail: das Schweizer Bähnchen wird mit Abwasser aus der Kanalisation betrieben und entleert unten wiederum und selbstverständlich in die Kanalisation.
TRAS-O-MONTES, das Land hinter den Bergen, für manche ein Sehnsuchtsziel: Einsam, herb und urtümlich.
Seine Hauptstadt BRAGANÇA hat einen mittelalterlichen Kern. Von hier stammt die letzte Dynastie der portugiesischen Könige, die Linie aus der Casa de Bragança
Besonders gefallen hat mir der romanische DOMUS MUNICIPALIS, dem ehemaligen Rathaus. Es wurde auf eine römische Zisterne gebaut.
Über weite Strecken durch eine fast menschenleere Hochebene führt uns der Weg an die spanische Grenze.
Dort zwängt sich der Douro durch eine tiefe Felsenschlucht. Ein ganz anderes Bild als die bekannten Bilder grüner terrassierte Weinberge.
Wir nehmen an einer Flussschifffahrt teil. Diese ist hier wegen des Stauwehrs von MIRANDA DO DOURO möglich.
Die Guide ist eine Wissenschaftlerin, die uns nicht nur die Horste der Steinadler und Schwarzstörche zeigt. Sie will uns auch das Wasserleben näher bringen und hält das weisse Netzchen während der Fahrt ins Wasser. Bald darauf projiziert sie das Ergebnis vom Mikroskop auf eine kleine Leinwand und zeigt uns die mannigfachen Lebensformen im Fluss.
Das nächste Ziel lässt wieder einmal das Herz eines (Hobby-)Steinzeitlers höher schlagen. Es ist ein Seitental des Douro, das Tal des Côa. Hier bei VILA NOVA DE FOZ DE CÔA wollte man den Fluss Côa stauen.
Bei den Vorarbeiten wurden tausende von prähistorischen Felsritzungen entdeckt. Nach einem „Kulturkampf" in den 90er Jahren wurde auf das schon fortgeschrittene Stau-Projekt verzichtet. Bei geführten Wanderungen über 17km Lämge können die Originale besichtigt werden. Aber auch das Museum, aus dem die folgenden Bilder stammen, präsentiert die Zeit vor ca. 25‘000 Jahren wissenschaftlich gut aufbereitet. Der archäologische Park steht heute unter Schutz der UNESCO und ist Weltkulturerbe.
Es finden sich Kunstwerke in Wandbildformat …
... aber auch Miniaturen.
Diese Ritzung ist nur etwa 2cm lang und die Details deshalb nur unter der Lupe zu erkennen.
Nun gehts mehr oder weniger dem DOURO entlang Richtung Mündung ins Meer bei Porto. Vorbei an vielen landschaftlichen und landwirtschaftlichen Motiven.
Mittagessen hoch über dem Fluss.
und dann erreichen wir PORTO im Regen. Hier das rechte Ufer aus dem Wohnmobil.
Am Nachmittag bei Sonne das linke Ufer mit den klingenden Namen der Porto-Weine, wie z.B. SANDEMANN.
Verbunden mit der berühmten Brücke. Unverkennbar von einem Schüler des Eiffelturmerbauers.
Stadt der Azulejos, der meist blauen Kacheln. Hier wurde eine ganze Kirche demit überzogen.
Oder Stadt der Jugenstilbauten wie die bekannte Buchhandlung LELLO & IRMÃO.
Angesichts des Besucherandranges – siehe kleines Bild mit der Menschenschlange an einem gewöhnlichen Mittwochmorgen – haben wir auf einen Besuch des Innern verzichtet.
Auf dem Weg Richtung Süden in die Universitätsstadt Coimbra machen wir Halt in AVEIRO, einem Hafen- und Fischerstädtchen mit etlichen Kanälen. Darum auch der Beiname: Kleinvenedig.
Wir geniessen eine kleine Rundfahrt in den MOLICEIROS, den Booten der ehemaligen Tangfischer. Der Seetang galt früher als guter Dünger für die Landwirtschaft.
Das Gewerbe mit der Tangfischerei gibt es nicht mehr. Heute wird aber noch wie früher in den Rias, den Meeresarmen, Salz gewonnen und im Städtchen verkauft.
COIMBRA, Stadt der Wissenschaft mit der ältesten Universität Portugals, inklusive der BIBLIOTECA JOANINA.
Zuäusserst links an diesem Flügel der Universität ist die Bibliothek mit Büchern ab dem 15. Jhd.
Obwohl sehr wertvolle Bücher hier lagern, konnte nie eine elektronische Sicherung eingebaut werden, denn in diesen „heiligen Hallen“ leben seit Menschengedenken diese netten Untermieter. Die Fledermäuse sorgen mit ihren nächtlichen Flügen und Futtersuche dafür, dass sich keine Insekten ausbreiten und die Bücher zerfressen können.
Vom FADO, dem mit saudade (Traurigkeit) vorgetragenen portugiesischen Gesang über unerfüllte Sehnsucht, Liebe und Tod hat sich in Coimbra eine spezielle Variante herausgebildet. Er wird nur von Männern gesungen. Es waren ursprünglich Studenten, schwarz gekleidet, die unter dem Fenster ihrer Angebeteten Liebeslieder vortrugen.
Das schönste Café auf der ganzen Reise fanden wir in einer Seitenkappelle der Kirche SANTA CRUZ.
Die Zeit scheint seit den 20er Jahren stehen geblieben zu sein.
Auf dem Weg nach Lissabon kommen wir im kleinen Ort MAFRA am PALACIO NACIONAL, der früheren Sommerresidenz der portugiesischen Könige vorbei. Das Ausmass ist riesig, weshalb ich für die Aussenaufnahme auf das Internet zurückgreife.
Auch hier eine fantastische Bibliothek in schönstem Barock.
Das Schloss mit allen Bediensteten war eine kleine Stadt für sich mit über tausend Leuten. Da durfte auch kein Spital fehlen.
Die Kuppel der Kathedrale im Zentrum des Schlosses. Sie soll klassiszistisch sein - hab ich mir sagen lassen.
Mich erinnert sie an die Kieselalgen, die wir in der Schule unter dem Mikroskop abzeichnen mussten.
LISSABON empfängt uns mit Sonne und Lebensfreude. Das Mittagessen geniessen wir in Tuchfühlung mit den legendären Trämlis
Auch der Lift von der Unter- in die Oberstadt ist mit seiner „Stahl-Gotik“ ein Zeuge des „Fin de siècle“. Er wird wie früher in den Warenhäusern von einem „Lift-Boy“ betrieben. Die Inneneinrichtung des Lifts ist immer noch Original.
Anstelle von weiteren bekannten Sight-Seeing-Bildern von Lissabon habe ich hier eine künstlerische Darstellung des Treibens in der Altstadt aufgenommen.
Doch bei der angeblich sexysten Toilette der Stadt (am Praça do Comércio) konnte ich nicht widerstehen.
Auch in der Umgebung hat‘s interessante Objekte, so in BELÉM das Denkmal für HEINRICH DEN Seefahrer mit dem PONTE 25 DO ABRIL*) im Hintergrund.
*) Kleiner Geschichtseinschub zum Namen "PONTE 25 DO" Abril, wen's nicht interessiert kann dies überspringen.
Am 25. April 1974 fand die Revolution gegen die langjährige Diktatur von Salazar statt. Startzeichen der Revolution war das zweimalige Abspielen des verbotenen Liedes „Grândola, du braungebrannte Stadt“ morgens um 2 im Staatssender. Darauf komme ich später nochmals zurück. Ein weiteres Zeichen für eingeweihte und übergelaufene Soldaten waren Nelken, weshalb noch immer von der Nelkenrevolution gesprochen wird. Die Brücke hiess vor der Revolution natürlich Salazarbrücke. Übrigens geht die Gründung von AMNESTY INTERNATIONAL durch den Engländer Benenson auf die von portugiesischen Studenten berichteteten unmenschlichen Haftbedingungen unter jenem Regim zurück. Z.B waren die Zellen mit 30 cm Wasser geflutet, damit sich niemand hinlegen und schlafen konnte.
Auch spektakuläre Naturphänomene gibt's an dieser Küste, so die BOCA DO INFERNO, den Höllenschlund.
Weiter nach Süden über den Tejo und ein letzer Blick zurück auf Lissabon.
Von SETUBAL aus setzen wir mit der Fähre über den Meeresarm im Mündungsgebiet des RIO SADO auf die langgestreckte HALBINSEL von TROIA und kommen so in das weite relativ flache Gebiet des ALENTEJO.
Bei COMPORTA gibt’s eine besondere Hinterlassenschaft aus der Jungsteinzeit, die kaum jemand kennt und auch in den meisten Reiseführern fehlt.
Vor 5 – 10‘000 Jahren lebten hier in den Dünen Menschen, die sich vorwiegend von Muscheln ernährten. Die Schalen haben sie einfach dort wo sie lebten weggeworfen. Die Fundorte werden als unter Fachleuten CONCHEIROS (Muschelhaufen) genannt, es sind aber nichts anderes als steinzeitliche Küchenabfälle.
GRÂNDOLA
Hier in der weiten eintönigen unspektakulären Landschaft finden wir meine Sehnsuchtstadt, die als Ort von einfachen Landarbeitern nicht viel zu bieten hat. Sie wurde aber durch das Lied von José Alfonso im Lied „GRÂNDOLA, VILA MORENA“ unsterblich. Die erste Strophe lautet in leicht holprigem Deutsch
Grândola, braungebrannte Stadt / Heimat der Bruderschaft / Das Volk hat die Macht / in dir drin,oh Stadt
Begreiflich, dass dieses Lied über die selbstbewussten Landarbeiter der Diktatur nicht genehm war und schnell verboten wurde.
Im Zentrum des Denkmals steht die damalige Losung der Aufständischen: DÁ MAIS FORÇA À LIBERDADE / Gib alle Kraft der Freiheit.
Ein Denkmal für ein Lied - eine Seltenheit.
Der oder das ALENTEJO ist zwar landschaftlich etwas öde, aber ein Eldorado für (Vor-)Geschichtler wie mich.
Als erstes finden wir den Dolmen SÃO BRISSOS. Den finde ich darum so interessant, weil er vom Volk mit wenig Aufwand in eine Kapelle umgebaut worden ist und so in die christliche Religion "hinübergerettet" wurde.
Nicht weit davon liegt die Höhle GRUTA DO ESCOURAL.
Wenn auch klein, so ist sie die einzige Höhle in Portugal mit steinzeitlichen Wandmalereien und Steinritzungen (zwei Pferdeköpfe), die hier noch im Original besichtigt werden können. Die Fotos habe ich allerdings von den Kopien im örtlichen Museum gemacht.
In der Gegend wurden auch PLACAS DE XISTO, geritzte Schiefeplatten, gefunden, die die Stammesherkunft des Besitzers bezeugten, also eine steinzeitliche Form der ID.
Auch der kleine Umweg zum CROMLECH ALMENDRES, einem grossen Feld mit ca 60 Menhiren (Hinkelsteinen) hat sich gelohnt.
Mitten durch Weideland auf einem sehr holprigen Weg fahren wir zur ANTA GRANDE DE ZAMBUJEIRO, dem grössten Dolmen in Portugal. Auch er ist gegen die Witterung geschützt, allerdings nicht so edel wie der DOLMEN DE DOMBATE in Galicien (siehe Teil 1)
Hilfreich um auch an die abgelegensten Orte zu kommen ist - wie einer früher einmal auf der Insel Rügen meinte - unser „Beiboot“, nämlich unsere Vespa.
Allmählich wenden wir uns wieder nordwärts zu, entlang der spanisch/portugiesischen Grenze. Bei Arronches sehen wir ein Hinweisschild PINTURAS RUPESTRES (Felsenmalereien), dem ich natürlich sofort folgen muss. Nach 10km entlang einem kleinen Landsträsschen finden wir diese.
Bilder, -zig tausend Jahre alt, frei zugänglich, grossartig!
Am nördlichen Ende des Alentejo liegt auf über 8oom Höhe liegt MARVÃO. Von hier aus geht der Blick weit nach Spanien in die Estremadura.
Die Einwohner trotzen der Kargheit und pflegen einen Garten.
In der Zitadelle folgen wir dem Hinweis „cisterna“, in der Annahme wir können in ein tiefes Loch blicken. Wir sind überrascht als wir in eine Halle blicken, die ein Kirchenschiff sein könnte und wir ihresgleichen nur in maurisch geprägten Altstädten in Spanien gesehen haben.
Das portugiesischste Dorf*) sei MONSANTO; jedenfalls wurde es so von Salazar genannt. Sein Merkmal sind seine Häuser, die direkt in die Granitfelsen gebaut worden sind. Auch dieses Dorf war wie Marvão ein wichtiger Stützpunkt um die Grenze gegen Spanien zu sichern.
*) welch ein Superlativ!
Als eines der letzten Naturphänomen auf unserer Portugalreise besuchen wir bei Celorico da Beira den PETRA DO SINO, zu Deutsch GLOCKENSTEIN. Es ist ein tonnenschwerer Block der erosionsbedingt nur auf einer kleinen Auflage auf der Unterlage steht.
Dies hat wohl schon unsere Vorfahren fasziniert, weshalb in römischer Zeit rings um diesen Stein mehrere Gräber in die Felsen gehauen wurden: NEKROPOLE von SAN GENS.
Wir treten nun definitiv die Heimfahrt an und wechseln bei CHAVES wieder auf spanischen Boden. Da bekanntlich der Weg das Ziel ist, besuchen wir auch auf der Heimreise durch Spanien und Frankreich noch ein paar interessante Orte.
LAS MEDULAS so heisst ein Tal in dem schon die Römer fleissig nach verschiedenen Erzen gegraben haben. Die ehemalige Bergbauregion präsentiert sich heute recht bizarr.
In BURGOS besuchen wir das Museum der Menschwerdung, MUSEO DE LA EVOLUTIÓN HUMANA. Es werden auf sehr anschauliche Art das heutige Wissen und die heutigen Theorien zusammengefasst. Speziell werden die Funde von ATAPUERCA, einer Höhle, ca 30 km östlich von Burgos (übernächstes Bild) präsentiert.
Dieser Kieferknochen wird auf ein Alter von rund 1 Mio. Jahre datiert. Er stammt von einem aufrechtgehenden Menschen, dem HOMO ERECTUS. Aus dieser ausgestorbenen Menschenart, hat sich in Europa der Neanderthaler entwickelt.
So sieht heute die Ausgrabungsstätte aus. Es ist quasi eine riesige geschichtete Felswand. Die heutige Wand ist ein Querschnitt einer Höhle, die sich im Laufe der Jahrmillionen Schicht um Schicht aufgefüllt hat. In den insgesamt 19 Schichten findet man in einzelnen Schichten zahlreiche menschliche Funde und Werkzeuge, andere Schichten dazwischen sind „leer“, d.h. es gab mehrmals Jahrtausende in denen keine Menschen anwesend waren.
Nun zu einer Legende, die sich im Mittelalter zugetragen haben soll:
Ein junger Pilger auf dem Weg nach Santiago widerstand den Avancen einer jungen Frau. Aus Zorn bezichtigte diese ihn des Diebstahls. Der Pilger war bereits am Galgen, als seine Eltern anreisten. Weil er von einem Heiligen gestützt worden ist, war er aber noch nicht tot. Die Eltern eilten zum Richter. Der aber meinte, der Pilger sei schon so tot, wie die zwei gebratenen Hähnchen auf seinem Teller. Kaum gesagt, flogen diese auf und davon. Damit war die Unschuld erwiesen und der junge Mann durfte weiterreisen.
Warum ich dies hier erzähle?
Zur Erinnerung an dieses Ereignis werden in SANTO DOMINGO DE LA CALZADA seit Jahrhunderten lebende Hühner in der Kirche in einem barocken Hühnerstall gehalten. Damit sie nicht depressiv werden, werden sie regelmässig ausgetauscht.
Bei RIGOLOS sind wir schon im Bereich der Pyrenäen. Wir übernachten unterhalb eines markanten Felsens und können Adler beobachten (Bild oben rechts). Sie nisten in der Felswand (Bild unten rechts, dort wo die weissen Flecken sind).
Am andern Morgen zuerst Schneeregen (Bild durchs Autofenster) - dann eine fast mysthische Nebelkulisse.
Immer tiefer geht's in einsame winterliche Pyrenäentäler
Zuhinterst finden wir ein Kloster, das sich tief unter eine riesige Felswand duckt.
Das Kloster war während der maurischen Eroberung Spaniens einer der letzten Rückzugsorte christlicher Mönche und viele Jahrhunderte noch geistiges Zentrum.
Im Innern überrascht die hochstehende romanische Bildhauerkunst.
Ohne es vorher geplant zu haben kommen wir auf der französischen Seite der Pyrenäen nahe bei LOURDES vorbei und machen dort einen kleinen Zwischenhalt.
Nun geht’s mitten im April mit Regen und im Jura sogar mit Schnee nachhause.
Und mit den Worten von Edward Docx, einem englischen Journalisten sind wir ...