Nordspanien und Portugal Frühling 2018, Teil 1

Am 15. März ist das Wohnmobil (unser „Mobi“) bepackt und es kann losgehen. Hier unsere ungefähre Route:

Auf dem Hinweg möchte ich (Paul) Käthi zeigen, wo ich 2016 an einer archäologischen Grabung teilgenommen habe. Sie liegt auf dem Plateau von GERGOVIA – mitten in Frankreich, nahe bei Clermont-Ferrand. VERCINGETORIX, als Anführer der gallischen (keltischen) Stämme, wagte von dort aus 52 v. Chr. den Aufstand gegen CAESAR. Und so sah es im Sommer 2016 aus:

Voller Einsatz !!

Im Frühling 2018 bei regnerischem Wetter bietet sich ein anderes Bild:

Wir lassen uns aber durch das Wetter nicht verdriessen und durchqueren Frankreich in grösseren Etappen. Die Autobahnfahrten verkürzen wir uns mit dem Hörbuch von Franz Hohler „Das Päckchen“. Den Grenzübertritt nach Spanien haben wir gar nicht bemerkt; irgendwie waren wir plötzliche in SAN SEBASTIAN (baskisch DONOSTIA).

Neben der Stadt an sich hat uns vorallem das Kunstwerk von EDUARDO CHILLIDA beeindruckt: "PEINE DEL VIENTO", der "Kamm des Windes"

Der Museumspark mit vielen Plastiken von Chillida, nahe von San Sebastian war leider in dieser Jahreszeit geschlossen.

Auf unserm Weg nach Bilbao liegt nun GUERNICA, das im spanischen Bürgerkrieg schwer gelitten hat. (Erstes Flächenbombardement in der Kriegsgeschichte durch Hitlers Legion Condor). Eigentlich machten wir dort halt, weil eine Kopie von Picassos berühmten Werk zu diesem Verbrechen irgendwo im Städtchen stehen soll. Gefunden haben wir es nicht aber im „PARQUE DE LOS PUEBLOS DE EUROPA“ fanden wir weitere Werke von Chillida …

... und HENRY MOORE.

Gegen Abend - es ist mittlerweile ist es der 4. Reisetag - erreichen wir BILBAO. Für unsere Ohren lustig tönt der baskische Name: BILBO. Er erinnert uns an Bilbo Beutlin, den kleinen Hobbit aus den Romanen von Tolkien. Fantastisch ist abends der Blick vom offiziellen Wohnmobilstellpatz über die riesige Industriestadt von Bilbao

Es ist "gruusiges" Regenwetter, weshalb wir auf einen Stadtbummel verzichten. Und weil Montag ist, ist auch das bekannte Guggenheim-Museum geschlossen.

Auf der Weiterfahrt kommen wir durch eine ganz spezielle Höhle. Es ist eine Tropfsteinhöhle mit zwei Ausgängen, bei der der Einfachheit halber eine Strasse für den dörflichen Durchgangsverkehr gebaut worden ist. Mit einer lichten Höhe von 3,5m reicht es gerade fürs Mobi.

In OVIEDO stossen wir auf zwei bauhistorische Kleinode. Es sind zwei Kirchen im vor-romanischen Stil, erbaut im 9 Jhd. vom damaligen König von Asturien.

"SANTA MARIA DE NARANCO" war ursprünglich ein um 850 erbautes (Lust-)Schlösschen, für eben diesen König. Später wurde es zu einer Kirche umgebaut.

In diesem Ausschnitt offenbart sich immer noch der Charakter eines Sommerschlosses. Im Hintergrund Blick auf Oviedo. Die feinen Steinmetzarbeiten lassen auf maurische „Mithilfe“ schliessen.

Nicht weit davon steht die zweite Kirche aus der gleichen Epoche: SAN MIGUEL DE LILLO.

Auch diese Kirche zeugt von hoher Steinmetzkunst

Hier in Oviedo sehen wir den ersten typischen Speicher, dessen Art wir in Nordspanien noch oft begegnen.

Um zurück ans Meer zu gelangen, müssen wir über ein kleines Vorgebirge. Auf kaum 1000 m Höhe schlägt der Regen in Schnee um; und das in der zweiten Hälfte März in Spanien! Wer hätte das gedacht?

Die Küste Nordspaniens bietet immer wieder grossartige Eindrücke. Hier die PRAIA DAS CATEDRAIS, der Strand der Kathedralen. Bei Ebbe kann man hier bequem zwischen den Felsen auf Sandstrand spazieren.

Bei A CORUÑA (spanisch La Coruña) finden wir einen ruhigen Stellplatz am Meer. Endlich beginnt sich die Sonne zu zeigen.

Auch mit der Ausstattung im Detail lassen sie sich hier nicht lumpen

Viele Häuser tragen eine Art Vorfenster, weshalb die Stad auch "CIUDAD CRISTAL" = gläserne Stadt heisst.

A CORUÑA hat auch eine kleine Altstadt mit romanischen Kirchen

Und damit man auch gleich weiss "wo Gott hockt" folgender Hinweis am Portal

Gott ist hier

A Coruña hat ein Wahrzeichen, den HERKULESTURM. Er ist der älteste Leuchtturm der Welt. Wohl wurde er im Laufe der Zeit immer wieder baulich verändert, aber er leutchtet den Schiffen hier an der "COSTA DA MORTE", der Todesküste ununterbrochen seit der Römerzeit.

Dass dieser Küstenabschnitt seinen Namen verdient zeigt sich uns denn auch beim CEMITERIO DOS INGLESES, dem englischen Friedhof am CAP VILAN. Hier zerschellte in einer stürmischen Nacht 1890 ein englisches Kanonenboot an den Klippen vor Camariñas.

Die 172 angeschwemmten Leichen - es gab nur 3 Überlebende - wurden von der Dorfbevölkerung geborgen und in einem schlichten, extra für sie errichteten Friedhof bestattet.

Hier ein Ausschnitt aus einer Gedenktafel

Die englische Admiralität schenkte dem Dorf einen Barometer, dem Pfarrer eine Schrotflinte und dem Bürgermeister eine Uhr. Angeblich geben noch heute englische Kriegsschiffe beim Vorbeifahren Salut mit den Sirenen.

Auch wenn es eine einsame Gegend ist, so treffen wir trotzdem auf die moderne Nahrungsmittelindustrie.

Es ist eine Lachs-Zucht-Anlage. En Guete!

Und hier im äussersten Nordwesten Spaniens, in Galicien, finde ich mein mein erstes prähistorisches Ziel, den DOLMEN DE DOMBATE. Es ist eine Megalithenanlage aus der Zeit rund 4000 v.Chr. Sie wird durch ein eigens darum herum gebautes Museum vorbildlich geschützt

Ausgestellt sind auch Pfeil- bzw. Speerspitzen, die hier gefunden worden sind.

Und dann sind wir am Ziel der Ziele vieler Pilger – dank Wohnmobil ohne Blasen an den Füssen – bei SANTIAGO DE COMPOSTELA angekommen, beim heiligen Jakob vom Sternenfeld, mit dem Beinamen MATA MOROS, Maurentöter. Er präsentiert sich in üppiger barocker Pracht.

Vor ihm der Weihrauchkessel, der bei feierlichen Messen durch das ganze Kirchenschiff geschwungen wird. Böse Zungen behaupten, dies sei insbesondere dann nötig, wenn die Kathedrale voll von ungewaschenen und verschwitzten Pilgern sei.

Effektiv begrüsst wurden wir aber von einem galizischem Dudelsack, der hier GAITÀ heisst.

Hinter der Kathedrale haben wir ein gemütliches Beizli gefunden mit guter traditioneller Küche in passendem Ambiente.

Beim Bummel durch den Stadtpark treffen wir auf das Denkmal der in Spanien berühmten galicischen Dichterin ROSALIA DE CASTRO.

In den CANTARES GALLEGOS (dt.: Galicische Lieder), schreibt sie über die galicische Landschaft, über die als „saudade“ bekannte unbestimmte Sehnsucht und Melancholie im Landleben, und über Tod und Schmerz. Ich finde das Denkmal bringt diese Stimme sehr gut zur Geltung.

Wir finden aber auch Beispiele moderner Architektur

Auf dem Berg Gaias, 3 km vor der Altstadt Satniagos, entstand in den letzten Jahren nach Entwürfen des amerikanischen Architekten Peter Eisenman eine riesige Anlage, CIDADE DA CULTURA DE GALICIA (Kulturstadt Galiciens) genannt, die unter anderem ein Museum, ein Theater und eine Bibliothek umfasst. Leider hat sich - jedenfalls bei unserem Besuch - hier kaum jemand hin verirrt.

Wir fahren nun südwärts entlang der Atlantikküste Richtung Portugal

Diese Küste bietet noch einen letzten Höhepunkt: Etwas für archäologisch Interessierte und solche die nur die gewaltige Aussicht geniessen wollen:

Es handelt sich um den CASTRO DE SANTA TEGRA. Mit Castro wird ein keltisches Dorf dieser Art bezeichnet. Diese wurde in der Eisenzeit also ab etwa 6. Jhd. vor unserer Zeitrechung errichtet und bewohnt bis in die Römerzeit. Er liegt auf einem steilen Berg hoch über A GUARDA.

Ich geniesse beides: Die Aussicht und das "metaphysische Gruseln angesichts der Geschichte"

Von hier gehts zur nächsten Brücke über den spanisch-portugiesischen Grenzfluss MIÑO, portugiesisch MINHO.

Damit endet Teil 1 unserer Reise und wir fahren fort mit Teil 2 in Portugal.