Reise durchs östliche Mitteleuropa

Unsere Reise im Juli 2026 bewegte sich im blau umrandeten Gebiet ...

... also die ganze SLOWAKEI und der südliche Teil von POLEN und TSCHECHIEN.

.

Nach 2 Tagen Anfahrt über Lindau, München und Linz kommen wir auf dem CAMPINGPLATZ SLATE PIESKI bei BRATISLAVA an.

Mit seinem Strandbeizli kommt sofort Ferienstimmung auf.

Am nächsten Tag ist ein Stadtbummel in BRATISLAVA angesagt.

Bratislava zeigt sich als offene, lockere und lebendige Stadt, in der man sich gerne aufhält.

Wir sind aber auch auf der Suche nach Zeugen der Vergangenheit.

Im Nationalmuseum finden wir sie, die VENUS VON MORAVANI. Sie misst 6.5 cm gross und ist aus Mammutelfenbein geschnitzt

Sie ist Zeugin der Kleinkunst aus der Altsteinzeit, mit einem Alter von ca. 24'000 Jahre. Grösse 7,6 cm, geschnitzt aus Mamutelfenbein.

.

Einen weiteren geschichtsträchtigen Ort aus unserer Zeit ist der ŠAFARIK-PLATZ.

Beim Einmarsch der Warschauerpakt-Truppen 1968 in die damalige Tschechoslowakei sprang EMIL GALLO im Pyjama vor einen Panzer um ihn aufzuhalten. Das Bild ging damals um die Welt. Es erinnert leider an das Foto vom Tian’anmen-Platz 1989.

Heute ist der Platz eine gewöhnliche verkehrsreiche Kreuzung vor der Universität.

.

Nun geht es in die "SLOVAKISCHE WÜSTE" von ZAHORIE

Nördlich von Bratislava hat sich am Ende der letzten Eiszeit vor 12'000 Jahren eine grossflächige Düne, rund 40 m tief, abgelagert. Der Sand ist auch heute noch derart nährstoffarm, dass nur spezialisierte Kiefern gedeihen können. Obwohl ein Schutzgebiet, fahren offenbar auch heute noch gelegentlich Panzer durch.

.

Nicht weit davon gibt es ein alte Beziehung zur Schweiz: Die HUTTERER.

Sie waren Täufer, eine radikal religiöse evangelische Gemeinde. Da sie nur die Erwachsenentaufe praktizierten und Privatbesitz ablehnten, wurden sie oft verfolgt, auch in der Schweiz. Im 16. Jhd. flohen viele in den Donauraum. Hier nannte man sie HABANER. Andere wanderten nach Amerika aus.

Im Gegensatz zur ansässigen Bevölkerung mit ihren kleinen einstöckigen Bauernhäusern hatten ihre bis zu drei Stockwerke mit hohen steilen Giebeldächern. Darin lebten nicht einzelne Familien sondern ganze Gemeinschaften.

Heute leben keine Hutterer mehr hier. Die Zahl hat schon anfangs 20.Jhd. deutlich abgenommen. Die letzten wurden in den Konzentrationslagern der Nazis umgebracht.

.

Auf dem Weg ins Landesinnere kommen wir bei RAJECKA LESNA zum SLOVAKISCHEN BETHLEHEM.

Die Krippe umfasst ca. 300 Figuren, wovon rund 200 mechanisch bewegt werden. Sie zeigt neben der biblischen Geburtsgeschichte Jesu auch das lokale traditionelle Leben und Handwerk sowie bekannte Denkmäler der Slowakei, z.B. links oben die Pressburg.

.

Die Reise führt uns auch zum MITTELPUNKT EUROPAS. Er liegt in der JOHANNISKIRCHE von KREMPNIKE BANE.

Es gibt in Europa gut ein Duzend "Zentren Europas", je nach Berechnungsart und ob Inseln wie die Azoren oder Island dazugerechnet werden oder nicht. Die "Berechnung" hier aber basiert auf mittelalterlichen religiösen Schriften.

Der Stein vor der Kirche erinnert an die friedliche Trennung der Tschechoslowakei in Tschechische Republik und Slowakei

.

Die Tatra (Teil der Karpaten) hinauf kommen wir zum Bergdorf SPANIA DOLINA.

Seit der Bronzezeit wurde hier Kupfererz abgebaut. Ende 19. Jhd. wurde die Mine aufgegeben. Übrig geblieben ist eine riesige Abraumhalde.

.

Die OVARA ist einer der grösseren Flüsse des Landes. Früher wurden auf diesem Fluss Baumstämme bis nach Rumänien ins Donaudelta geflösst.

Heute wird dieses Handwerk für Touristen weiter gepflegt.

Über dem Fluss thront unheimlich die OVARA-BURG.

Sie wird auch die BURG DRACULAS genannt. Dracula hat zwar nicht hier gewohnt, sondern in Transsilvanien im heutigen Rumänien. Aber in dieser Burg wurde 1922 von Friedrich Wilhelm Murnau der erste damals sehr berühmte Horrorfilm gedreht: NOSFERATU, EINE SYMPHONIE DES GRAUENS

Aber es gibt auch gute Geister in der Slowakei.

Hier ein VODNIK, ein Wassermann, der früher den Flössern geholfen hat. Heute bringt er einem Glück, wenn man ihn am Fuss kitzelt.

Die Slowakei hat vieles zu bieten was es sonst kaum gibt, z.B. einen Fussballplatz bei dem die Eisenbahn zwischen Tribüne und Spielfeld durchfährt.

Leider war heute kein Spiel, darum das Bild aus dem Internet

Die Regel gilt: Solange sich der Zug vor der Tribüne aufhält, wird das Spiel unterbrochen.

.

Auf dem Weg in den Osten der Slowakei kommen wir bei einem früheren Adelssitz vorbei, dem SCHLOSS BETLIAR.

Im Mittelalter war es eine Festung gegen die Türken. Im 18. Jh. wurde sie zu einem Jagdschloss in französischem Stil umgebaut.

.

Auf dem Weg in den Osten kommen wir bei der HÖHLE VON JASOV vorbei.

Sie ist an sich eine grosse Tropfsteinhöhle. Sie beherbergt aber auch geschichtliche Funde von der Altsteinzeit bis zum 2. Weltkrieg.

.

Und dann treffen wir in KOŠICE ein. Sie ist die zweitgrösste Stadt der Slowakei.

Die Altstadt ist sehr belebt und offen.

Vor dem Nationaltheater spielen Wasserfontainen zu Opernmelodieen.

Neben den grossen Plätzen gibt es auch lauschige Hinterhöfe.

Doch auch hier in KOŠICE gibt es kleine Hinweise zur belastenden Vergangenheit.

Tibor Kovács war ein Fotograf. Er hat am frühen Morgen des 21.Aug. 1968 den Einmarsch der Warschauerpakt-Truppen in die Stadt dokumentiert. Als er nach Filmwechsel zum 2. mal auf die Strasse ging wurde er von eine Kugel getroffen und war bis zu seinem Tod 2019 querschnittgelähmt.

Statt ihm zu helfen wurde er immer wieder vom Geheimdienst bedrängt. Die wichtigsten Negative fanden sie aber nicht. Er hatte sie im Antrieb seines Rollstuhls versteckt.

.

KOŠICE und sein Umland ist auch Zentrum der ROMA. Es wird geschätzt, dass in der Slowakei rund 400'000 Menschen zu dieser Ethnie gehören. Es wurde immer wieder versucht die Roma zu einer bürgerlichen Lebensweise zu bewegen. Das in Beton gegossene Beispiel einer total fehlgeschlagenen Integration ist die Siedlung LUNIX IX. Sie ist benannt nach dem damaligen russischen Mondprojekt.

Die Siedlung wurde für 2000 Leute gebaut. Die Wohnungen wurden zu je einem Drittel an Roma, Polizisten und Militärangehörige vermietet, in der Hoffnung die Roma würden sich dadurch an die bürgerliche Lebensweise anpassen.

Doch was ist aber passiert?. Militär- und Polizeifamilien zogen sich schon bald nach Košice zurück. Heute leben rund 6'000 Roma hier.

Aus Respekt und auch wegen Warnungen (es könnten durchaus Steine fliegen, wenn man durchfährt), haben wir uns die Siedlung nur aus Distanz angesehen und nicht fotografiert. Das Bild stammt aus dem Internet.

.

Noch weiter im Osten kommen wir an etlichen Holzkirchen vorbei

Die Kirchen wurden ohne Eisennägel gebaut.

Wie bei orthodoxen Kirchen hat diese eine Ikonenwand. Die Leute sind/waren griechisch-katholisch, dh. sie haben die katholische Messe gefeiert, aber mit orthodoxem Ritus.

Die Landschaft ist geprägt durch die flachen Hügel. Sie wirkt sehr einsam.

Doch dann eine Überraschung: Wir treffen auf ANDY WARHOL, den Pop-Art-Künstler.

Warum hat es weit im Osten im Dorf MEDZILABORCE ein Andy Warhol Museum?

Seine Eltern stammten aus der Gegend. Sie gehörten einer Minderheit an, den griechisch-katholischen Lemken. 1921 wanderten sie nach Pittsburgh aus, wo Andy dann geboren wurde. Das Museum wurde auf Anregung seines Bruders mit Hilfe des slowakischen Kulturministerium gebaut.

Von hieraus fahren wir über den DUKLA-PASS nach Polen. Es ist ein relativ flacher Übergang über die Karpaten. Entsprechend war er in vielen Kriegen heftig umkämpft.

Dies zeigt sich auch an den vielen Soldatenfriedhöfen und Denkmälern beidseits des Passes.

In DUKLA selbst übernachten wir auf einem leerstehenden Museumsparkplatz.

Überraschung morgens um sechs: Wir wurden geweckt von metallischem Klappern. Es wurden Marktstände aufgebaut. Schnell haben wir umparkiert. Auch hier wie schon in der Slowakei nahmen es die Leute sehr gelassen; kein böses Wort ist gefallen.

Nach Besuch von kleinen guterhaltenen Städtchen und Adelssitzen kommen wir nach KRAKAU.

Die Stadt kann nicht verbergen, dass sie einst zur österreichischen k.u.k-Monarchie gehörte. Wie in Wien fahren auch hier die Fiaker.

Die Stadt ist einladend und - jedenfalls als Tourist - lässt es sich hier gut leben.

Doch auch hier gibt es Zeugen der unseligen Vergangenheit

Bei der Stadtführung kommen wir vorbei an der Ghettomauer, hinter der die Juden von den Nazis auf engstem Raum zusammengepfercht wurden. Auch die Fabrik, in der Schindler über tausend Juden vor dem sicheren Tod gerettet hat, steht noch (Film 1993: Schindlers List).

Ein bedrückender Moment: Auf seinem Handy zeigt uns unser ukrainischer Guide Bilder von seinen Klassenkameraden. Sie waren 4 Jahre in russischer Gefangenschaft, abgemagert bis auf die Knochen, so wie man die Bilder aus den damaligen KZ kannte.

.

Von Krakau aus wollen wir wieder in die Berge. Der Ferienort ZAKOPANE ist unser Ziel. Aber hier herrscht so genannter "Overtourismus". Alles ist verstopft mit Autos und Feriengästen. Wir fahren durch und schon nach einigen km sind wir wieder in der einsamen Bergwelt. Über die hohe Tatra kommen wir wieder in der Slowakei an.

Bei KALAMENY gibt es ein geologisches Phänomen

Dies ist nicht einfach ein Tümpel, sondern hier sprudelt eine natürliche THERMALQUELLE. Abgesehen von der Parkplatzgebühr ist sie für jedermann frei zugänglich.

Der CAMPINGPLATZ von TRUSALOVA liegt herrlich in der Natur. Wir sind hier die einzigen auswärtigen Besucher.

Nun kommen wir in die TSCHECHISCHE REPUBLIK und überqueren eine weitere geologische Besonderheit.

Es ist die MÄHRISCHE PFORTE.

Wir sehen sie hier von weitem. Es ist ein breites Tal zwischen den Karpaten, wo wir herkommen und den Sudetenbergen, am Horizont. Aber das Tal hat keinen Anfang und kein Ende.

Es neigt sich nämlich kaum sichtbar zu beiden Seiten nach Süden und nach Norden. Der Kulminationspunkt ist im Bereich des Strommasten. Nach Norden entwässert das Tal in die ODER und damit in die OSTSEE, nach Süden in die DONAU und damit ins SCHWARZE MEER. Die MÄHRISCHE PFORTE bildet somit einen Teil der EUROPÄISCHEN WASSERSCHEIDE. Die Geologen bezeichnen dies als eine TALWASSERSCHEIDE.

Übrigens gibt es das gleiche Phänomen bei uns ganz in der Nähe: die BURGUNDER PFORTE. Sie hat ihren Scheitelpunkt zwischen Altkirch und Belfort und trennt die Einzugsgebiete von Rhein und Rhone.

.

Die Route durch Tschechien dient uns als Heimweg. Dennoch liegen zwei Höhepunkte am Weg die wir nicht missen wollen.

1. Auf der prähistorisch wichtigen Ausgrabungsstätte PAVLOV 1 wurde ein Museum gebaut. Es liegt weitgehend unterirdisch. Kleinkunst und Steinwerkzeuge stammen von Mammutjägern. Sie waren bereits moderne Menschen bzw. Vertreter des HOMO SAPIENS. Die Epoche nennen die Archäologen hier Pavlovien; sie entspricht dem Gravettien, ca. 32'000 - 24'000 v. Chr.

1: Mammut, 6.5 cm hoch, Material: Mammutstosszahn, 2: VENUS von DOLNÍ VĚSTONICE, Höhe 11 cm, Material: gebrannter Ton, 3: Pfeilspitzen und Steinwerkzeuge, 4: Ganz speziell: das unterirdische Museum wurde über einer laufenden Ausgrabung errichtet.

.

Der zweite Höhepunkt auf unserem Weg durch das südliche Tschechien ist der GROSSE KÖNIGSFILZ

Filz ist ein altes deutsches Wort, das auch für Moor verwendet wird. Durch das HOCHMOOR können wir auf einem langen Bohlenweg zum Moorsee gehen.

In der Mitte des Hochmoors zeigt sich der See. Die Stimmung ist überwältigend, fast mystisch.

Durch den Böhmerwald gelangen wir nach Deutschland und von hier geht's in grossen Etappen heimwärts.

Und zum Schluss allen ein herzliches