Ostalpen im Sommer2025

Hitzewelle schon im Juni!

Wir suchen uns Abkühlung in den OSTALPEN

Erster Halt am Bodensee. Dann geht es Richtung Tirol.

Ein erster Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes: Das KAUNERTAL mit seiner Gletscherstrasse.

Der KAUNERTALER GLETSCHER ist der höchste Punkt Europas, zu dem man einfach so mit einem Auto hinfahren kann. 2750 m üM.

Ich muss mich korrigieren: Habe soeben gelesen, dass der Col d'Iséran in den franz. Hochalpen auf 2764 m liegt und mit Autos befahrbar ist.

Allerdings ist vom Gletscher nicht mehr viel übrig. Einst und jetzt.

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Nicht nur der Gletscher,auch die hochalpine Landschaft ringsum ist ein Erlebnis. Und Achtung, das ganze Tal ist offenes Weideland.

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Auch das OETZTAL, die alte Heimat von Ötzi wird bald hochalpin. Mit dem TIMMELSJOCH überqueren wir den Alpenkamm.

Die Südtiroler Seite ist sehr steil und führt über viele Haarnadelkurven hinab ins Passeiertal, Richtung Meran.

Wir fahren aber gleich wieder über einen weiteren Pass zurück ins Tirol.

Vor Innsbruck finden wir die WITTINGWARTE (Witting hiess der Erbauer). Sie ist ein Zeugnis des aufkommenden Tourismus zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende.

Von hier aus konnten die Besucher ins Wipp- und Stubaital sehen.

Auf der Suche nach einem Campingplatz sehen wir eine relativ schlichte Dorfkirche.

Wie wir später noch oft im Tirol und in Bayern sehen werden, sind solche oft im Inneren mit pompösem Barock ausgestattet.

Man glaubt durchs Deckengewölbe direkt in den Himmel zu sehen.

Doch wer mich kennt, weiss um meine Leidenschaft, die mehr der Technik als der Kunst gewidmet ist: Brücken!

Die STEPHANSBRÜCKE.

Die Brücke an der alten Brennerstrasse wurde von 1842 bis 1846 erbaut. Sie ist mit 36 m Höhe die größte erhaltene Steinbrücke in Österreich. Mit 43,63 Metern ist sie auch die weiteste EINBOGENBRÜCKE im Land. Die Brücke ist im spätklassizistischen Stil erbaut und steht unter Denkmalschutz.

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Was ist ein GRADIERWERK - und erst noch eines mit einem FREILUFTINHALATORIUM?

GRADIERWERKE waren Vorrichtungen zur Salzgewinnung aus Solewasser. Man liess das salzhaltige Wasser auf einen Stapel Schwarzdornäste tröpfeln. Dies förderte die Verdunstung und der GRAD der Salzkonzentration nahm deutlich zu.

Im KURPARK von HALL bei Innsbruck ist ein solches Werk erhalten geblieben.

Bei der Salzgewinnung entstehen salzhaltige Aerosole. Diese kann man einatmen und geniesst somit eine FREILUFTINHALATION.

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Wer über die Inntal-Autobahn fährt sieht von weitem ein Schloss am nördlichen Hang.

Es ist das prächtig renovierte Renaissance-Schloss TRATZBERG.

Die meisten fahren vorbei, aber ein Abstecher lohnt sich.

Alles ist stilvoll restauriert, von den Wandmalereien

den Einrichtungen im Schloss

bis zu den Details an Möbeln

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Das Tirol bietet auch interessante geologische Phänomene. Wer hat schon mal etwas von einem TOTEISLOCH gehört?

Nicht einmal die Einheimischen, die ich nach dem Weg fragen wollte, wussten davon.

TOTEIS ist ein Stück Gletscher, das wegen der Schmelze den Zusammenhalt mit dem Hauptgletscher verloren hat. Darüber bildet sich durch hingewehtes Laub Humus, eine Art Moor. Jahre später, wenn das Gletscherstück schmilzt. bildet sich eine Senke.

Es gibt im Tirol aber auch kuriose Orte, z.B. einen Museumsfriedhof

mit Grabsteinsprüchen, die von einem lockereren Umgang mit dem Tod zeugen.

Wir kommen auch in die kleinste Stadt Österreichs: RATTENBERG.

Neben dem mittelalterlichen Stadtbild mit Laubengängen

sind vor allem die NAGELSCHMIEDHÄUSER Hauptattraktion des Städtchens.

Die Häuser sind z. T. in den Berg hinein gebaut. Bis in die Neuzeit wurden darin Nägel geschmiedet.

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Einmal haben wir bei einem Bauernhof übernachtet.

Ich habe mich gefragt, was es mit dem kapellenähnlichen Dachreiter auf sich hat. Bedeutete es etwa, dass im Haus eine Kapelle ist?

Der alte Bauer hat es mir erklärt: Jeder grosse Hof hatte früher einen solchen Dachreiter mit Glocke. War es Zeit zur Heimkehr vom Feld oder war gar ein Unglück passiert, so wurde die Glocke geläutet. Weil jede Glocke einen eigenen Klang hatte, wusste das Gesinde (Wort des Bauern) eines jeden Hofes, ob es heimkehren musste oder nicht.

Dass das Wort GESINDE ihm noch geläufig war, zeigte mir dass er noch die alten Zeiten erlebt hat. Bezieht sich das Wort doch auf eine Gruppe von Dienstboten, in landwirtschaftlichen Betrieben, die in einem manchmal lebenslangem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Arbeitgeber standen. Es umfasst Knechte, Mägde und andere Hausangestellte.

Und wieder geht es in die Höhe, diesmal über den Grossglocknerpass (2500 m).

Im Südtirol wechselt die Kirchenbaukunst.

Zwar werden wie hier in BRIXEN auch im Südtirol barocke Kirchen fleissig renoviert,

aber die Kirchenbau- und Malereigeschichte verlagert sich in kleine Kapellen und zeitlich ins Mittelalter mit Romanik und Gotik.

ST. CYPRIAN in Sarnthein, ST. PROKOLUS in Naturns und St. Veit in Mals sollen hier als Beispiel für viele weiter stehen.

Und hier ein paar Bilder aus diversen Kapellen.

Dieses lustige Fresco wollte ich unbedingt sehen. Leider war die Kapelle geschlossen. Ich musste mich deshalb mit dem Bild aus dem Internet begnügen.

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Ein Höhepunkt in MERAN sind die Gärten von SCHLOSS TRAUTMANSDORFF.

Die gepflegte Anlage erstreckt sich über 12 ha. Wir geniessen die Spaziergänge durch die wunderbare Anlage.

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Aber Südtirol hat auch Kurioses zu bieten, z.B. einen so genannten "LOST PLACE". Es ist eine moderne Ruine, die sich selbst überlassen bleibt.

In freier Natur, zuhinterst im Seitental Martell liegt das HOTEL PARADISO.

Es erlebte nur eine kurze Blütezeit von 1936 bis 1940, erbaut für Luxustouristen, die aber ab Kriegsausbruch ausblieben. 1955 ging es endgültig in Konkurs und steht seither leer und ungenutzt im Nationalpark.

Von weitem macht die rote Ruine noch einen faszinierenden Eindruck. Aus der Nähe zeigt sich aber wie der "Zahn der Zeit" unablässig nagt.

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Auch wenn SÜDTIROL eine wunderbare Ferienregion ist, so weiss doch zumindest die ältere Generation noch, dass es auch schlimme Zeiten gegeben hat.

Nach dem Krieg sollte das ganze Südtirol "italianisiert" werden. So wurde Deutsch zu sprechen verboten und die bisherige Kultur unterdrückt.

Gegen Ende der 1950er Jahre trafen sich heimlich Widerständler im WIRTSHAUS ZUM SCHENK.

Die Losung hiess: LOS VON TRIEST weil das Südtirol von Triest aus verwaltet wurde.

Zunächst passierten "harmlose" Taten ohne direkte Gefahr für Menschen wie Attentate auf Strommasten etc. Leider wurde der Kampf bald blutig und es gab Tote auf beiden Seiten. So werden die damaligen Widerständler von den einen heute als Freiheitshelden gefeiert, von den anderen als übelste Terroristen beschimpft.

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Über den RESCHENPASS kommen wir wieder ins Tirol.

Schon die Römer führten ihre VIA CLAUDIA AUGUSTA hier durch.

Allerdings nicht hoch oben, wo heute die Autostrasse im Fels verläuft, sondern im Tal, dem INN entlang.

Auch im Mittelalter ging hier der Saumpfad durch.

Lange war der Grenzverlauf A/CH nicht festgelegt. Heute ist das linke Bord am Inn schweizerisch (Samnaun), der ZOLLTURM im Inn ist österreichisch. Ab dem Zollturm, INN aufwärts, verläuft die Grenze in der Mitte des Flusses.

Hinter dem Zollturm liegt der kleine Ort ALTFINSTERMÜNZ.

Münz, indoeuropäischen mintsja = „aufragender Fels“. Also "finster aufragender Fels"

Der Zwillingsort HOCHFINSTERMÜNZ liegt etwa 200 m oberhalb am Steilhang.

Seit die letzte Wirtin und Einwohnerin, Emmi Priebsch, 2008 ins Altersheim gehen musste, ist der ganze Ort ein "LOST PLACE" geworden.

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Dem Inn entlang kommen wir nach LANDECK. Hier führt die TRISANNABRÜCKE der Arlbergbahn über den Seitenfluss Trisanna.

Die Stabbogenbrücke, die 120 m weit spannt gilt als technische Meisterleistung und war die „EUROPABRÜCKE des 19. Jahrhunderts“.

Wir wechseln das Tal und fahren entlang dem LECH.

Im Oberlauf ist er noch in einem freien Flussbett und wird deshalb auch der "TAGLIAMENTO des Nordens" genannt. Für Interessierte siehe <Osterferien 2022 im Tirol>.

Der LECH führt uns nach REUTTE, eine grössere Stadt ohne Tourismus. Und doch weisst sie eine geschichtliche Besonderheit auf.

Hitler und Mussolini haben vor dem Krieg vereinbart, deutschsprachige Südtiroler, die "heim ins Reich" möchten, durften sich u.a. in Reutte niederlassen. 75'000 Leute haben davon gebrauch gemacht.

Es wurden in vielen Orten im Tirol für sie ganze Strassenzeilen im Südtiroler Stil erbaut ...

mit Wandmalereien aus dem bäuerlichen Leben und den Herkunftswappen.

Vor der Renovation gab es heftige politische Diskussionen "erhalten oder als faschistische Zeugnisse abreisen"?

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Der Heimweg führt durch den PFAFFENWINKEL, Teil des ALLGÄU, also Bayern.

Der leicht ironische Name PFAFFENWINKEL ist schon über 250 Jahre gebräuchlich. Die Gegend sei erzkatholisch und es hat darin eine grosse Zahl an prächtigen meist barocken Kirchen.

Eine der schönsten ist "DIE WIES", eine Wallfahrtskirche, die heute den Status eines UNESCO-Weltkulturerbe hat.

Nicht weit davon steht die BASILIKA von ALTENSTADT, eine aussen und innen reine romanische Kirche - welch ein Kontrast zu Barock und Rokoko.

Sie wurde glücklicherweise nie "barockisiert".

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Zuletzt noch eine geschichtliche Entdeckung am Schluss unserer Reise.

Kriegsdenkmäler in Europa beziehen sich meist auf die beiden Weltkriege. Einige wenige gibt's noch vom deutsch-französischen Krieg 1870-71. Nur in Bayern findet man solche, die namentlich auch noch an die GEFALLENEN aus den NAPOLEONISCHEN KRIEGEN von 1805 -1812 erinnern.

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Und schon ist auch diese schöne Reise Erinnerung!