Reise durch den Westbalkan, Sommer 2023

Wir haben folgende Route geplant: Start am 14. Juli über JULIER und MALOJA nach ITALIEN. Erstes Ziel ANCONA zum Einschiffen.
Überfahrt nach Albanien (Hafenstadt DURRES / DURAZZO). Wir besuchten folgende Staaten: Albanien, Kosovo, Montenegro, einen kleinen Zipfel von Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, erneut Kroatien, Slowenien und wieder Italien.
Vor dem Einschiffen in die Fähre, blieb noch etwas Zeit die Umgebung von ANCONA anzusehen.

Am BELVEDERE DELLA MADONNA haben wir einen herrlichen Blick in die Landschaft und auf die Adria.
In der Mittagssonne zeigt sich die festungsartige BASILIKA von LORETO
Im Innern stellt sie ein kompaktes barockes Ensemble dar.

Das ganz spezielle Pilgerziel ist aber im Innern der Kirche: Das HEILIGE HAUS.

Es handelt sich der Legende nach um das Geburtshaus von Maria aus Nazareth.
Um es vor den bösen Ungläubigen zu retten wurde es von Engeln als Ganzes durch die Luft nach Loreto getragen, wo dann die Basilika darum herum gebaut worden ist.
Ancona selbst wurde im 2. Weltkrieg massiv bombardiert, so dass nur wenige Zeugen aus alter Zeit übrig sind.
Ein Beispiel ist der TRAJANSBOGEN, als Erinnerung an diesen römischen Kaiser. Ihm begegnen wir nochmals an der Donau in Serbien.
Gegen Abend schiffen wir ein und fahren schon Bald aus dem Hafen.
Ein letzter Blick zurück auf ANCONA.
Und schon bald werden wir mit einem fast kitschigen Sonnenuntergang belohnt.
Die Fahrt dauert 19 Std. und so treffen wir gegen Mittag in DURRES ein.
Hier erhasche ich einen Blick durch das "Salon"-Fenster auf die Skyline von DURRES.
Obwohl Albanien nicht im Schengenraum liegt, ist die Einreisekontrolle relativ gnädig.
Wir fahren nach Süden. Erste landschaftliche Eindrücke.
Erste Mosche.
Vorerst geht es dem Meer entlang ...
.... mit Salinen.
Aber die Küste wird felsig, so dass die Strasse im Hinterland in den Bergen verläuft.

Hier abseits der Sonnenseite relativ dichte Wälder, fast schwarzwaldähnlich.
Kaum kaum haben wir den LLOGARA-Pass überquert - wieder auf der Sonnenseite gegen die Adria zu - wird die Vegetation trocken und mediterran.
Wegen der Angst des ehemaligen Machthabers Enver Hodscha vor Invasionen von Revisionisten, Imperialisten und ehemalig befreundeten Staaten wurden überall Bunker gebaut.
Grössere Kommandobunker ...
... aber auch viele "Einmann"-Bunker.
In der Bucht von Palermo - so heisst sie tatsächlich - sehen wir einen U-Boot-Bunker, der heute noch in Betrieb ist.
Eigentlich wollten wir weiter nach Butrit einem auch archäologisch interessanten Ferienort. Aber es geht nur noch im Schritttempo, offenbar ist halb Albanien auf dem Weg dorthin.

Wir nehmen deshalb einen Weg in ein Seitental zum Kloster MESOPOTAM. Es ist die grösste Klosterkirche Albaniens im byzantinischen Stil. Teilweise durch Erdbeben im 18. Jhd. zerstört.

Die orthodoxen Fresken stammen ebenfalls aus dieser Zeit.
Es gibt Gegenden ohne Campingplätzen.
Darum haben wir auch schon auf einem Parkplatz bei einem abgelegenen Friedhof übernachtet.
Unterwegs treffen wir immer wieder auf geschichtliche Zeugen
Hier die osmanische STEINBOGENBRÜCKE von LAZARAT.

Ebenfalls typisch osmanisch sind die Häuser von BERAT.
Berat wird auch die STADT DER TAUSEN FENSTER genannt.

Verwinkelte Altstadtgassen mit verwirrlicher Verkabelung.
Der Fluss Osum teilt die Stadt.

Darin beobachten wir eine besondere Fischfangmethode.
An Stelle der Autobahn wollen wir ein Seitental Richtung Kosowo nehmen.

Doch die Strasse wird immer mehr zu Schlagloch an Schlagloch, so dass wir umkehren müssen.

Dafür finden wir diesen Abend einen ländlichen familiär geführten Campingplatz.
Die jüngere Generation der Besitzerfamilie ist gerade aus Westeuropa hier zuhause in den Ferien.

Daneben bevölkern noch weitere "Familienmitglieder" den weiten Platz. Sogar ein kleiner Uhu schaut zu.
Nach den letzten Strassenerfahrungen wählen wir nun doch die Autobahn Richtung Kosowo.
Superausbau durch die Berge. Die KFOR-Truppen brauchen wohl eine gute Versorgung.
Normalerweise interessieren mich Brücken mit spezieller Bau-Technik. Hier ist es aber der Erfinder- und Improvisationsgeist der Albaner bezüglich Fischfang.
Es heisst nicht vergebens, in Albanien ist mit doppelter Zeit pro Strecke zu rechnen.
Wir kommen im KOSOWO an. Der Ort heisst PEC/ PEJA/ PEJË (je nach Sprache).
Es ist eine lebhafte moderne Stadt mit etwa 50'000 Einwohnern.
Was 60 Jahre leidvolle Geschichte aus einem Ort und aus den Menschen machen kann, zeigt ein Artikel des serbischen Dichters Bora Ćosić in der NZZ. Das Bild zeigt Peć 1966.

Ćosić ist 91 jährig und schreibt:
"Selbst die hartnäckigsten Nationalisten können mir mein Kosovo nicht nehmen. Jenes, das ich vor sechzig Jahren vorfand, als ich als junger Unterleutnant dort hinkam, um über mehrere Monate praktische Erfahrungen als Offizier zu sammeln.
Damals konnte ich die dortige albanische Ethnie nicht von der serbischen unterscheiden, weil beide einander in ihrem Verhalten, ihrem Aussehen und ihrer Redeweise ähnlich waren. Wann sie Albanisch verwendeten, wusste ich damals nicht. Meine Mutter wohnte, als sie mich in Prizren besuchen kam, in einem Haus mit lauter Personen in muslimischer Kleidung, in Pluderhosen. Damals wussten wir nicht, dass auch das Serben waren".

In Richtung MONTENEGRO erwarten uns - wie der Name (schwarze Berge) sagt - Berge.
Die Landschaft ist fast menschenleer. Übernachten können wir auf dem Parkplatz des Restaurant TE KULLA (der Turm), das einsam an der Passstrasse steht.
Am anderen Morgen sind wir in MONTENEGRO.
Alpwirtschaft mit vielen kleinen Häusern und Schobern.

Uns dünkt, Montenegro besteht nur aus Bergen. Verbindungsstrassen zwischen Städten sind manchmal gut ausgebaut, manchmal einspurig mit Ausweichplätzen.
Über eine schmale Stichstrasse - rechts Felsen, links Abgrund - finden wir einen wunderbar gelegenen Camingplatz
Den Apéro geniessen wir auf einem Felsplateau mit Sicht in ein weites Tal.

Auch die Fauna ist speziell: Ein Mistkäfer und eine Art Heugumper.
Über einen Pass erreichen wir die Bucht von Kotor.
Sie gilt als eine der schönsten der ganzen Adria. Wir sind allerdings auf fast 1000 m Höhe und brauchen noch rund eine Stunde über unzählige Haarnadelkurven.
Das Meer hat hier viele fjordartige Buchten, über die man nur mit Fährschiffen kommt. Allerdings ist dies mit Warteschlangen verbunden.
Auf der anderen Seite der Bucht wurden an einer Felswand Bilder aus der Steinzeit gefunden.

Sie sind frei zugänglich. Eine zeitliche Datierung steht nicht fest, vermutlich Jungsteinzeit.

In Montenegro begegnen uns ungewohnte Strassenschilder: ACHTUNG WILDSAU und KEINE PFERDEFUHRWERKE
Eine neue Brücke als Kriegsfolge?

In den Friedensverhandlungen von DAYTON wurde Bosnien ein Land-Korridor zum Meer zugestanden. Daher musste man, wenn man von Dubrovnik ins restliche Kroatien wollte zweimal eine Grenze passieren.
Um die täglichen langen Staus zu vermeiden, wurde die PELJESKI-Brücke gebaut, unter der auch Hochseeschiffe passieren können. (Kleines Bild aus dem Internet).
Inzwischen sind wir in BOSNIEN-HERZEGOWINA.
Kurz vor MOSTAR besuchen wir in BLAGAJ ein romantisch gelegenes ehemaliges Dervisch Kloster.
Es liegt an einer Karstquelle, die gleich als Fluss aus dem Felsen kommt.

Trotz vielen Touristen lassen wir uns einen Blick auf die berühmte osmanische Brücke in MOSTAR nicht entgehen.
Strasse und Landschaft in Richtung SARAJEWO.
Auch wenn man immer noch auf Einschusslöcher an Gebäuden stösst, SARAJEWO zeigt sich heute als junge lebendige Stadt.
Ein Bummel durch die osmanisch geprägte Altstadt

Etwas Geschichte: Hier bei der Lateinerbrücke geschah das Attentat auf den österr. Thronfolger Franz-Ferdinand, das letztlich zum 1. Weltkrieg führte.
Weiter gegen Osten wird Bosnien einsam und manchmal fragt man sich, hält die Brücke wohl?
Im Reiseführer steht: Kaum ein Tourist verirrt sich nach Ostbosnien, es sei denn er will bei VISEGRAD die BRÜCKE ÜBER DIE DRINA sehen.
Und hier steht sie, die MEHMED PASCHA SOKOLOVIC Brücke, genannt nach dem Auftraggeber zum Bau.
Es ist der historische Roman von Ivo Andric, der auch bei mir schon lange ein gewisses Fernweh für diese Gegend geweckt hat.

Die große Plattform auf dem Mittelpfeiler diente den Bewohnern der Stadt Višegrad über Jahrhunderte als Treffpunkt und den Herrschern in der Stadt als Kontrollpunkt an der Straße von Sarajevo nach Serbien. Und ich ruh mich nun hier aus.
Serbien ist nicht mehr weit. In dieser Gegend gibt es viele Klosterkirchen.

Sie haben die serbische Kultur über Jahrhunderte erhalten und geprägt.

Bei ZLAKUSA treffen wir auf ein Dorf mit alter serbischer TÖPFEREIKULTUR.
Die Platte hat es uns besonders angetan.
Auf unserem Weg liegt KRAGUJEVAC, eine mittelgrosse Industriestadt. Sie wäre nicht besonders interessant, wenn nicht hier in den 1920er Jahren die selbst verwaltete Arbeitersiedlung SOKOLANA entstanden wäre.
Obwohl geschützt, steht praktisch nur noch das Hauptgebäude, in dem die Verwaltung untergebracht war.

Ein Wohnhaus steht noch. Da alles aus Holz gebaut wurde, ist der Zerfall nach über hundert Jahren offensichtlich. Der Blick in die andere Richtung zeigt leider die heutige Entwicklung. Es entsteht auf dem ehemaligen Wohngelände ein riesiges Einkaufszentrum.
In der Stadt NIS steht ein Mahnmal aus osmanischer Zeit. Um 1800 gab es hier einen serbischen Aufstand gegen die Osmanen.

Die unterlegenen Serben wurden geköpft und zur Abschreckung wurden ihre Schädel in einen Turm eingemauert. Heute schützt ihn ein kirchenartiger Bau vor weiterem Zerfall.

Eine schönere Reminiszenz aus osmanischer Zeit ist das HAMAM in SOKOBANJA.

Zwischenhalt unterwegs mit Zaungäste am Wegrand.
Ein serbisches "Heimetli"
Gegen Norden stossen wir nun an die DONAU.
Wir blicken auf das rumänische Ufer.
An dieser Stelle finden wir einen "Backsteinhaufen". Es ist der Rest eines römischen Brückenpfeilers, der zur damals zur längsten Brücke der Welt gehörte.

Es ist die TRAJANSBRÜCKE, gebaut unter Kaiser Trajan, damit er Krieg gegen die Daker führen konnte.
Zwischen den steinernen Pfeilern spannten sich Holzbögen. Darauf lag die eigentliche Brückenstrasse.
Warum wir das so genau wissen?

In Rom steht heute noch die TRAJANSSÄULE auf dem Forum Romanum, dem Hauptplatz im alten Rom. Sie ist nie umgefallen. Auf ihr hat der Kaiser all sein Wirken verewigen liess. Auch ein Abbild der Brückenkonstruktion. Noch heute kann man darauf sehen, wie der Kaiser zum Dank für den erfolgreichen Brückenbau den Göttern eine Opfergabe darbringt.
Nun kommt flussaufwärts das "EISERNE TOR DER DONAU"
Dies ist eine etwa 30 km lange Schlucht, in die die sonst bis zu einem km breite Donau auf 150 m eingeengt wird. Diese Stelle war früher von den Schiffern sehr gefürchtet, da sie zahlreiche Riffe und Stromschnellen hatte.
Schon die Steinzeitmenschen siedelten hier. Um 1960 wurde bei LEPINSKI VIR ein ganzes Dorf ausgegraben und vorbildlich geschützt.

Die laubhüttenartigen Häuser hatten einen dreieckigen Grundriss.
Die beiden kleinen Bilder zeigen die damalige Ausgrabung und wie man sich das Dorf etwa vorstellen könnte.

Typisch für diese mittelsteinzeitliche Kultur sind die vielen Kopfskulpturen. Wir wissen aber nicht, ob sie Götter, Ahnen oder sonst jemanden darstellen.
Am oberen Ende bzw. am Anfang des Eisernen Tores liegt die Festung GOLUBAK.
Das bedeutet für lange Schiffskompositionen wieder "freie Fahrt" ohne Lotsen.
Dann unser SCHRECKMOMENT der Reise.

Ich musste wegen einem Velofahrer abbremsen. Der nachfolgende Autofahrer reagierte zu spät.
Zum Glück war der Schaden weniger arg, als wir zunächst dachten.

Beleuchtung und Blinker funktionierten noch, so dass wir mit unserer Klebebandreparatur weiter fahren konnten.
So kamen wir nach LJUBLJANA, das sich als weltoffene jugendliche Stadt zeigte
Als Universitätsstadt mit vielen jungen Leuten.

Wegen der Drachenbrücke ist der Drache das Maskottchen der Stadt.
Dieses verfehlt bei uns Grosseltern seine Wirkung nicht.

Und so wird der Drache als Andenken den Enkelkindern mit nach hause gebracht. Sie sind jetzt stolze Drachenträger.
Der Heimweg führt uns durch die slowenischen bzw. karnischen Dolomiten (Mit Karn wird hier eine geologische Gesteinsschicht bezeichnet).
Hier fanden wir auch einen schönen Alpencamping.
Nahe dem Skiort Kranjska Gora wechseln wir nach Italien und sind im Friaul
Wie übernachten an der TAGLIAMENTO-Enge.
Siehe dazu den Blog "OSTERFERIEN 2022 IM FRIAUL".

Und zum Abschluss unserer Ferien geniessen wir NABUCCO in der Arena von Verona.
Und einmal mehr heisst es
