Ostern 2023 in der Provence
Wir haben 10 Tage für uns und entschliessen uns zu einem Abstecher in die PROVENCE.
Als Anreise nehmen wir die "ROUTE NAPOLÉON", allerdings in der entgegengesetzten Richtung, wie sie der Kaiser 1815 von Elba aus genommen hat.
Ein kleiner Umweg führt uns durch die GORGES DE LA MÉOUGE.

Wild und gebirgig empfängt uns die Provence.
Über Sisteron gelangen wir nach CHÂTEAU-ARNOUX-STAINT-AUBIN, im Gegensatz zum imposanten Namen ein kleiner unscheinbarer Ort mit einem Übernachtungsplatz. Diesen hätte ich schon längst vergessen, wenn hier nicht ein besonderes Kriegerdenkmal auf dem Platz gestanden hätte.

Üblicherweise erwartet man, nicht zuletzt in der "Grande Nation", eine heldenhafte kriegerische Darstellung. Aber ich musste zweimal hinsehen: Hier bricht tatsächlich ein Zivilist das Schwert.

Das Denkmal wurde 1928 errichtet. Der mir unbekannte Dichter Victorin Maurel schrieb dazu in Anlehnung an VOX POPULI VOX DEI (Die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes) : PAX VOX POPULI (FRIEDE ist die Stimme des Volkes!). Ausschnitt: Der Ruhm ist bitter. Aber wisse von nun an, dass der Krieg ein Verbrechen ist, das mit bitterer Reue diejenigen zurücklässt, die die Völker in den Abgrund stürzen!.
Weiter im Tal der Durance bei LES MÉES treffen wir auf ein markantes Naturphänomen:

Es sind die Felsen von LES MÉES. (Kleines Bild aus dem Internet)
Durch Erosion entstand hier eine lange Kette von Felsnadeln. Im Volksmund heissen sie die BÜSSER VON LES MÉES. Der Sage nach waren es Mönche auf Pilgerfahrt, die wegen unkeuschen Gedanken zur Strafe in Stein verwandelt wurden.
Auf dem Weg zum Bergstädtchen Moustiers-Ste-Marie fahren wir über trockene Hochebenen.

Zu dieser Jahreszeit - mit Schneebergen im Hintergrund - zeigt der Lavendel sein Postkarten-Blau noch nicht.
Das Städtchen MOUSTIERS-STE-MARIE liegt unterhalb einer Schlucht.

Seit undenklicher Zeit ist hoch darüber ein goldener Stern aufgehängt.

Ein Kreuzritter soll damit bei seiner Rückkehr sein Gelübde eingelöst haben.
Auf dem Weg ans Meer kommen wir bei der ABTEI VON THORONET vorbei. Sie zählt zu den "drei grossen Schwestern", gemeint sind damit drei Zisterzienserklöster in der Provence.

So wie die Zisterzienser (Benediktiner) sehr asketisch gelebt haben, so haben sie auch ihre Kirchen und Klöster gebaut. Mir dieser Kargheit kommt die Architektur wunderbar zum Ausdruck.

Ein Waschbrunnen der Mönche, Reste einer Olivenpresse und Olivenmühle.
Weiterfahrt ans Meer.
Kurzer Halt in LA CIOTAT. An sich ein reizendes Hafenstädtchen. Doch was lockt mich hierher zu fahren?
Es ist das EDEN THÉATRE. Aber warum lockt mich ein Theater?
Hier wurde 1895 der allererste kommerzielle Film gezeigt. Er dauerte zwar nur eine Minute und zeigte L'ARRIVÉE D'UN TRAIN EN GARE DE LA CIOTAT. Die Leute seien erschreckt von ihren Sitzen aufgefahren, weil sie Angst hatten, die Lokomotive rase in den Zuschauerraum.

Ein verwittertes Wandgemälde erinnert an das Ereignis.
Um nach Marseille zu fahren, nehmen wir den Weg über die CALANQUE, ein kleines Gebirge, dessen Wände fast senkrecht ins Meer abfallen.
Der Blick ist grossartig und reicht bis zu vorgelagerten Inseln von Marseille.
Den alten Hafen und die Altstadt von MARSEILLE haben wir schon früher erkundet. Jetzt interessiert mich die CITÉE RADIEUSE, die strahlende Stadt.
So wird u.a. ein moderner Wohnhaustyp genannt, entwickelt vom Architekten LE CORBUSIER. Er nannte ihn UNITÉ D'HABITATION, umgangssprachlich auch als WOHNMASCHINE bezeichnet. Ziel war es, vielen Leuten einen gehobenen Wohnkomfort zu bieten.

Neu für die damalige Zeit war das Fehlen des Parterres, das Haus seht auf massiven Säulen. Im Innern waren auch ein Kindergarten, Ausstellungsräume und ein Restaurant vorgesehen.
Es würde den Rahmen sprengen die vielen Besonderheiten zu erwähnen. Wen's interessiert verweise ich gerne auf <Unité d’Habitation – Wikipedia>
Auch dieser Anblick gehört zur Provence
Fast endlose petrochemische Industrieanlagen bei FOS-s-MER.
Um nach ARLES und die CAMARGUE zu kommen müssen wir die Rhone überqueren.
Dies geht hier im tiefsten Süden nur mit der Fähre bei SALIN-DE-GIRAUD.
In ARLES geraten wir mitten in die FERIA.
In und um die Arena ist dieses Volksfest die Saisoneröffnung für die provenzalischen Stierkämpfe. Diese sind unblutig und die Stiere werden abends wieder auf Ihre Weiden geführt.
Nur wenige hundert Meter davon gibt es einen sehr ruhigen Ort mit einer fast mystischen Stimmung.
Es sind die ALYSCAMPS, die elysischen (paradiesischen) Felder der Römer, die ihre Toten entlang der damaligen Via Aurelia begraben haben.

Die Ruhe und die geheimnisvolle Atmosphäre haben auch VAN GOGH inspiriert.
Eine Schotter-Steinwüste, ein weiteres - uns bisher unbekanntes - Naturphänomen, liegt südöstlich von Arles.
Es ist die CRAU. Sie ist das alte Flussdelta der Durance, einem Fluss aus den Alpen und dehnt sich rund 20 km aus. Landwirtschaftlich kann man sie kaum nutzen, weil sie sehr karg und trocken ist.

Geeignet ist sie allenfalls für Schafe. Aber vom Brachland wird exzellentes Heu gewonnen.

Zitat aus dem "Schweizer Bauer" vom 24.8.2021:
PFERDEHEU WIE CHAMPAGNER! Heu aus der Crau in Frankreich gilt laut dem «Tages-Anzeiger» als Luxus. Es ist seit 1997 geschützt durch die Herkunftsbezeichnung AOP, mit der sonst Wein und Weichkäse verkauft werden.
Auf dem Weg nach Aix-en-Provence kommen wir bei einer römischen Brücke vorbei.

Es ist der PONT FLAVIEN mit zwei imposanten Bögen zu Ehren Roms und Flavius, dem Erbauer.
Aix-en-Provence zeigt sich ungeeignet für Wohnmobile. Wir nehmen nur einen Aperitif, ich einen Pastis, und fahren weiter in den LUBERON.
Der kleine und der grosse LUBERON sind zwei Hügelzüge, etwa in der Grösse des Juras. Dort trifft man auf viele ursprüngliche Dörfer.
Das erste ist CUCURON. Seine Besonderheit ist ein alter Mühlen-Weier, um den herum kleine Läden und Bistros stehen. Als wir dort ankommen ist gerade Wochenmarkt mit regem Betrieb.
LOURMARIN wäre an sich nicht erwähnenswert,
wenn nicht auf seinem Friedhof ALBERT CAMUS, Literatur-Nobelpreisträger, ruhen würde. Hier in Lourmarin hat er seine letzten Jahre verbracht.

Nicht weit von ihm das Grab von Henri Bosco, einem Dichter, der in Südfrankreich und Italien bekannt ist.
Im Luberon liegt auch die Burg LA COSTE, die dem Modeschöpfer gehört.

RENÉ LA COSTE liess einen Skulpturenpark errichten. Leider war nur der Teil ausserhalb der Burg zugänglich. Die Skulptur im Käfig stellt MARQUIS DE SADE dar, der auf diesem Schloss seine grausamen Geschichten niederschrieb.
Im Luberon findet man auch verlassene Dörfer, wie OPPÈDE-LE-VIEUX
Auf dem Friedhof finden sich Zeugen damaliger Schiksalsschläge.

<<Hier ruht Honoré Gilles, gest. am 14. Oktober 1915, im Alter von 3 1/2 Jahren>>
Bei ST.RÉMY steht das ehemalige Kloster ST.PAUL-DE-MAUSOLE. Früher als psychiatrische Klinik genutzt, heute ein Gesundheitszentrum "Maison de Santé".

Nur wenige würden sich dorthin verirren, wenn die damalige psychiatrische Klinik nicht einen heute berühmten Maler beherbergt hätte.
VINCENT VAN GOGH
So sah und sieht noch heute sein Zimmer aus.

Und so hat er den Klinikalltag dargestellt.
Das nächste Ziel ist ein Provence-Klassiker: ISLE-s-LA-SORGUE.
Das Städtchen muss im Sumpfgebiet der SORGUE wie eine Insel gewirkt haben und ist so zu seinem Namen gekommen. Zu seinen besten Zeiten haben über 200 Wasserräder das Wasser zu Ölmühlen und Gerbereien geführt.
Nicht weit talaufwärts entspringt die SORGUE als grösste Karstquelle Europas. Sie kommt bei FONTAINE DE VOCLUSE als fertiger breiter Fluss aus dem Kalkgebirge.
Bis vor hundert Jahren haben Bauern ganz spezielle Steinhäuser gebaut.
Es sind reine Trockensteinbauten, die oben konisch zusammenlaufen und so dem Ganzen Halt und ein festes Dach geben. Das Rohmaterial, die Steine, fanden sie auf den Äckern, des neu gerodeten Landes.
Ein weiterer Provence-Klassiker ist Dorf ROUSSILLON, bekannt für sein ockerfarbenes Gestein, das früher der Farbherstellung diente.
In der Nähe wurde aus dem Gestein bergmännisch Höhlen herausgebrochen.
Ockersteinbrüche von BRUOUX.
Nun fahren wir ein weiteres mal durch eine wildromantische Schlucht
Die GORGES DE LA NESQUE. Käthi ist froh, dass unser Weg immer an der Bergseite entlang führt.

Dennoch immer die bange Frage: Kommt das Mobi hier durch???
Es hat immer geklappt, auch wenn die Spiegel eingezogen werden mussten.
Hinter manchen Kurven liess sich der MONT VENTOUX blicken.
Sehnsuchtsort schon der Kelten und heute der TOUR DE FRANCE, der er schon oft als Etappenziel gedient hat.
Langsam geht es heimwärts zu. Wir fahren ein letztes mal an einen mystischen Ort.

Es ist ein Quellenheiligtum, das - wir vermuten es schon - auch die Kelten verehrt hatten.
Sein Name LE VAL DES NYMPHES, Tal der Nymphen. Nach den Kelten und Römern haben sich auch die Christen diesen stillen Ort zur religiösen Andacht ausgewählt.
Damit verabschiedeten wir uns von der PROVENCE.
Die Heimfahrt war unspektakulär über die Autobahn.
