Sommer 2022: Durchs Loire-Tal in die Bretagne

Nach dem Motto: "Der Weg ist das Ziel" fahren wir durchs Burgund und das Loiretal Richtung Bretagne.

Auf Nebenstrassen durch Sonnenblumenfelder

erreichen wir den ersten kulturellen Höhepunkt: Das CHATEAU SAINTE MARIE de MALANS.

Im Schlosspark stehen Werke von von Andrea Malär, einem Schweizer Bildhauer.

Im Wäldchen um das Schloss hat er eine "Ile Art", eine Kunst-Insel für seine Künstlerfreunde eingerichtet.

Z.B. die tönende Welle, L'ONDE SONORE von Denis Pérez (Figur oben)

Wir erreichen die Loire Bei Bonny. Und als Liebhaber von alten Brücken, nehme ich den Weg über die alte Hängebrücke.

Auf der anderen Seite finden wir einen gut eingerichteten Stellplatz, wie mir scheint mit gewissem Symbolcharakter.

Der Platz ist vor dem Friedhof, inklusive dem Ehrenmal für die Gefallenen, dahinter ein Atomkraftwerk. Es erinnert mich an das Bild von Borislav Sajtinac; «Die Toteninsel nach Arnold Böcklin»

In einem Wald bei BLOIS an der Loire treffen wir auf Schützengräben aus dem ersten Weltkrieg.

LES TRANCHÉES DES SABLONNIÈRES bei CHAMBON-SUR-CISSE.

Erster Gedanke, das kann doch nicht sein, die Front verlief doch ungefähr entlang dem Rhein und nicht im Innern Frankreichs. Hier wurde doch nie gekämpft.

Wie die Schautafel zeigt, war dies ein Ausbildungsplatz für Rekruten, die einige Wochen später in die "richtigen" Schützengräben an die Front ziehen mussten.

Wer an die Loire Fährt, "muss" doch die Schlösser besuchen. Liegt uns aber nicht besonders. Doch eines hat es uns angetan.

Das CHÂTEAU DE LA MOTHE-CHANDONIERS

Es ist 1932 ausgebrannt. Geld für die Renovation war nicht vorhanden und so es hat die Natur allmählich zurück erobert. Ein Dornröschenschloss par excellence.

Die Schlösser an der Loire wurden mit Tuffsteinen gebaut. Diese holte man aus einer Schicht 5-10 m unter dem Boden. Entstanden sind Höhlen in denen später arme Leute wohnten. Bewohner wie die Höhlen selbst werden TROGLODYTEN genannt.

Bis ins 20. Jhd. lebten ganze Bauernfamilien darin.

Immer allgemeine Richtung Loire-Mündung besuchen wir den PARC DE SCULPTURE MONUMENTALES bei MOUZEIL, nähe Nantes.

Das Hauptwerk ist ein Linie (neuzeitlicher) Menhire, über die Parkgrenze hinaus.

Übers Feld verteilt gibt's viele weitere Werke.

Ein weiteres Mal geht's über eine Hängebrücke zur anderen Loire-Seite.

Dort finden wir auch einen der schönsten Stellplätze zum Übernachten.

Die Loire ist hier sehr breit, fast wie ein See.

Nun sind wir im Mündungsbereich der Loire.

Entlang des ca. 60 km langen Mündungstrichters von NANTES bis ST-NAZAIRE wird seit 2007 am Kunstprojekt L'ESTUAIRE (Mündung) gearbeitet.

Wobei eines der faszinierenden Werke LA MAISON DANS LA LOIRE (das Haus in der Loire) ist. Es ist so in den Fluss gebaut, als würde es davon schwimmen.

Bisher wurden rund 30 Grossplastiken geschaffen, die westlichste davon - nun am Atlantik - auch sehr eindrücklich:

LE SERPENT D'OCEAN - die Ozeanschlange.

In den Dörfern an der Atlantikküste stösst man immer wieder auf Bunker aus der Zeit des Atlantikwalls, gebaut von den Deutschen im 2. Weltkrieg.

Doch was soll hier ein Hotel "LE GRAND BLOCKHAUS"?

Es handelt sich um einen dreistöckigen Bunker, der als Strandhotel getarnt war.

Originale Camouflage / nachgestellte Szene bei der Übergabe an die französische Armee mit dem originalen Tisch / Achtung Minen Lebensgefahr! - Danger de mort / Blick aus einer Schiessscharte.

In der Nähe gibt es eine flache kilometerbreite Meeresbucht den MARAIS TRAICT.

Da wird Salz noch nach traditioneller Art gewonnen.

Nun erreichen wir die BRETAGNE. Schon im ersten Dorf ROCHEFORT-EN-TERRE, einem netten mittelalterlichen Ort mit Schloss, empfängt uns mit NAÏA die Sagenwelt der Bretagne.

Naïa ist eine Art Zauberin, Hexe, Schamanin, Begleiterin der Toten ins Jenseits. Ihr wurde in einem alten Gemäuer das Museum LE NAÏA MUSEUM, MUSÉE & GALERIE DES ARTS DE L'IMAGINAIRE gewidmet.

Die Art der Ausstellung erinnert stark an HR Giger, den Schöpfer der Alien-Monster.

Was wäre die Bretagne ohne ihre Hinkelsteine, die Menhire, die grossen Steingräber, Dolmen und Tumuli.

LE GRAND MENHIR BRISÉ, der grosse zerbrochen Menhir war mit 20 m der höchste und mit 330 Tonnen der schwerste Menhir. Aufgestellt vor 6500 Jahren, lange vor den Pyramiden. Er ist aber schon nach 400 Jahren umgefallen und zerbrochen, von selbst oder durch Menschenhand - wir wissen es nicht.

Viele weitere Steinzeit-Bauten findet man hier in der Gegend.

Z.B. ein Tumulus (Steingrabhügel) mit Ritzungen im Innern unbekannter Bedeutung.

Manche Menhire "erlitten" auch schon Umnutzungen:

Mit einer Bronzetafel wird der Menhir zum Denkmal für die Gefallenen.

Mitte und rechts: Ab und zu wurden sie christianisiert.

Sie geben auch einen Blick in die Zukunft (grüner Kreis): Junge Frauen im heiratsfähigem Alter werfen einen Stein auf die Kante. Bleibt er oben, finden sie garantiert innert eines Jahres einen Ehemann.

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Die Halbinsel von QUIBERON ist beliebt wegen der Sand- und Felsstrände. Bekannt ist der Ort auch wegen des FILMS über ROMY SCHNEIDERS Aufenthalt: DREI TAGE IN QUIBERON.

Beidseits der Hafeneinfahrt hat der Bildhauer KLINGBEIL eine Doppelplastik geschaffen: LA BELLE ONDINE ET LE PÊCHEUR. Die "Ondine", dt. Undine, ist ein Wassergeist, eine Art Nixe mit normalen Beinen. Sie befreit sich aus einem Fischernetz während der Fischer sie von der anderen Seite der Mole beobachtet.

In der Nähe ein geschnitztes Altarbild, im Volksmund "JUDENALTAR".

Die Gruppe auf der linken Seite trägt mittelalterliche jüdische Kleider, daher der Name.

In LA POULDU gibt es die BUVETTE DE LA PLAGE

Ihre Bedeutung in der Künstlerwelt verdankt sie dem Maler PAUL GAUGUIN.

Er wohnte hier im Winterhalbjahr 1889 in der Buvette und bemalte die Innenwände. Heute ein kleines Museum.

Längere Zeit war er auch in Pont-Aven. Dort liess er sich von der KAPELLE von TRÉMALO inspirieren.

Im Innern hängt ein Kruzifix, Vorbild für seinen GELBEN CHRISTUS.

Auch sonst zeigt die Kapelle interessante Details, wie dieser Balken.

Ebbe und Flut sind hier ausgeprägt und zeigen sich auch stark in den vielen tief ins Land reichenden Meeresarmen.

Schon seit vielen Jahrhunderten haben die Leute diese Wasserkraft ausgenutzt.

Mit einer GEZEITENMÜHLE.

Von links kommt die Flut. Das Wasser strömt in den hinteren Teil des Meeresarmes und treibt dabei die Mühlräder an. Die Schleusentore werden geschlossen bis Ebbe ist. Dann treibt das nun das gestaute Wasser ein zweites mal die Wasserrädern an.

Nach dem gleichen Prinzip arbeiten auch modernen Gezeitenkraftwerke.

Weiter westlich an der Südküste der Bretagne erreichen wir CONCARNAU

Das alte Zentrum ist eine seit dem Mittelalter umschlossene Stadt - VILLE CLOSE.

Das kleine Bild ist aus dem Internet zeigt die Übersicht von oben.

Im Städtchen selbst werden die Gässchen natürlich voll touristisch ausgenutzt.

Ein weiteres Wahrzeichen der Bretagne sind die Leuchttürme.

Auf einer kleinen Halbinsel, die in den Atlantik ragt steht LE PHARE D'ECKMÜHL

Er ist mit 65m einer der höchsten Leuchttürme Europas. Seinen deutschklingenden Namen hat er von der Geldspenderin erhalten: Marquise Adélaïde-Louise d’Eckmühl de Blocqueville.

Die Kirche NOTRE DAME DE CONFORT-MEILARS wartet neben einem Kalvarienberg mit einem Kleinod im Innern der Kirche auf.

Die Glockenräder ROUES À CARILLONS waren früher in der Bretagne verbreitet, heute gibt's nur noch drei. Bei wichtigen Momenten im Gottesdienst wird das Rad mit der Kette in Schwung gebracht und so läutet es z.B. bei der Wandlung.

Der weite Strand von PEN HIR ist lokal sehr bekannt. Oben auf der Düne hat es eine seltsame Ruine: Festung? Welches Jahrhundert?

Es handelt sich um eine Villa, die der Dichter SAINT-POL-ROUX, 1904 erbauen lies. Seit 1940 ist sie am Zerfallen.

Von der POINTE DES ESPAGNOLS (die Spanier hatten einmal hier ein Feldlager), gegenüber BREST hat man einen weiten Blick auf die Stadt und ihre Bucht.

Die U-Boot-Bunker wurden ursprünglich von den Deutschen im 2. Weltkrieg gebaut. Sie sind immer noch im Dienst der französischen Marine und können nicht besichtigt werden. Auf Google-Earth sind sie verpixelt.

Am gleichen Meeresarm liegt das verfallene Kloster, L'ABBAYE DE LANDÉVENNEC

mit karolinischen und romanischen Mauerresten und gut erhaltenen Steinmetzarbeiten.

Ich liebe elegante Brücken.

Diese elegant geschwungene Schrägseilbrücke verkürzt den Weg nach Brest.

Und kurz vor Brest eine architekturhistorisch bedeutsame Brücke.

Vorne LE PONT LOUPPE. 1930 als allererste Brücke mit Spannbeton-Bögen errichtet. Alterschwach dient sie heute nur noch Fussgängern. Parallel dazu wurde 1994 die moderne Schrägseilbrücke errichtet. (Bild aus dem Internet)

Zum Thema Essen: Natürlich kann man in guten Gourmet-Restaurants essen wie "GOTT IN FRANKREICH". Haben wir natürlich auch gemacht, hatte selbstverständlich seinen angemessenen Preis. Überrascht hat uns eine zweite Möglichkeit

Die RELAIS DES ROUTIERS. Es sind Restaurants mit einfach eingerichtetem Speisesaal und grossem Parkplatz, wo die Lastwagenfahrer mittags absteigen.

Das Essen war in jedes Mal gut gekocht. Die Vorspeisen holt man sich selbst. Der Hauptgang, die Käseplatte und das Dessert wird serviert, dazu ein Landwein. Das Ganze um die 15 Euro.

Wir fahren jetzt entlang der CÔTE DES LÉGENDES um den westlichsten Teil der Bretagne.

Ein Algen-Ernte Boot, in den Gewässern wo 1978 die Amoco Cadiz zerbrach und die ganze Küste mit Öl verschmierte.

Noch ein Megalithen-Rekord:

LE MENHIR DE KEROLAS, mit 18 m der höchste noch stehende Menhir.

Persönliche Erinnerungen: Der "Glashüsli"-Strand von Carantec. Hier waren wir vor 35 Jahren mit unseren - damals Kleinen - in den Ferien.

In MORLAIX, in einer alten Tabakfabrik haben sich junge Künstler eingenistet.

Ein letztes Steinzeitmonument - versprochen!

Der CAIRN DE BARNENEZ (Cairn = schottisch Steinhügelgrab)

Verarbeitet wurden 14'000 Tonnen Gestein. Im Innern hat es 11 Grabkammern (Dolmen). 1950 benutzte ein Baumeister den Cairn als Steinbruch für den Strassenbau. Er konnte 1954 zum Glück gestoppt werden.

Eine weitere bemerkenswerte Kapelle

Die NOTRE DAME DU PORT BLANC. Sie ist an der Hangseite eingegraben.

In PERROS-GUIREC steht ein weiterer Skulpturenpark.

LE PARC DES SCULPTURES CHRISTIAN GAD ET DANIEL CHHÉ

Und das meist fotografierte Haus der Bretagne wollten wir nicht verfehlen.

LA MAISON DU LITTORAL bei Plougrescant.

Als Beispiel für einige Gratis-Stellplätze an schönen Orten, der Stellplatz von Tréguiet am Fluss Le Guindy.

Und erst noch mit edlem Namen: LE BOIS DU POÈTE, der Wald des Dichters. Er ist Anatole Le Braz, einem bretonischen Märchensammler und Schriftsteller gewidmet.

Lange Zeit wusste man nicht, was es mit dem Rundbau, dem TEMPLE DE LANLEFF auf sich hat. Römischer Tempel? Keltisches Heiligtum?

Es handelt es sich um eine romanische Rundkirche aus dem 11. Jhd. nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem.

Die beiden Kapitelle zeigen Adam und Eva im Paradies und Adam, der nach der Vertreibung Schamgefühle zeigt. 3. Fig.: Wandrelief. Ein analoger Bau steht in Cambrige, England: Church of the Holy Sepulchre (Kirche vom heiligen Grab).

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Einen besonderen Friedhof gibt es in PAIMPOL aus der Zeit der GRANDE PÊCHE.

Von Paimpol aus erfolgte 1852 bis 1935 der grosse Fischfang zu den Gewässern von Island. Es war eine harte und gefährliche Arbeit. Mehr als 100 Schiffe und über 2000 Seeleute kamen nie mehr zurück.

Jedes Schild an der Friedhofsmauer steht für eine untergegangene Goëlette (Schoner) und seine Besatzung.

Im Innern der Bretagne verlaufen noch Teile des NANTES-BREST - Kanals.

Morgenstimmung beim ehem. Anlegeplatz, wo wir die Nacht verbrachten.

Am gleichen Kanal liegt die in den Fels gebaute CHAPELLE ST. GILDAS.

St. Gildas, ein irischer Missionar, ist hier vorbeigekommen. Dankbar für die Unterkunft ist eine Kolonie von Hufeisennasen-Fledermäuse, die heute im Gebälk wohnt.

GUINGAMP, eine mittelalteriche Stadt

hat einen Regenmacher. Hinten sieht man bereits den Regen träufeln.

Skulpturenparks wie hier im VALLÉE DES SAINTES sind in der Bretagne beliebt.

Obwohl "Vallée" - Tal - genannt, liegt der Ort auf einer Kuppe und beschert einen weiten Blick ins Land

Im Innern der Bretagne wurde ein spezieller botanischer Garten angelegt.

PARC BOTANIQUE DE HAUTE BRETAGNE mit etwa 30 verschiedenen Themen.

In der Nähe von Saint-Malo hat die Witwe des Künstlers Pierre MANOLI

im Atelier und Garten ein kleines Museum eingerichtet.

Auch frühere Pfarrer haben sich künstlerisch versucht. So hat ABBÉ FOUÉRÉ

seine Figuren direkt aus den Küstenfelsen von ROTHÉNEUF gemeisselt.

Nach mehr als 2 Wochen heisser Trockenperiode sind wir wieder an der LOIRE.

Der Wasserstand ist deutlich gesunken. Kühe suchen im Wasser Abkühlung.

Im Bereich der Troglodyten-Höhlen hat JACQUES WARMINSKI im kleinen Ort SAINT GEORGES DES SEPT VOIS seine HÉLICE TERRESTRE, seine "Erdschraube", von einer früheren Höhle aus weiter in die Tiefe getrieben.

Vor der Heimfahrt machen wir noch einen Abstecher in ein Waldgebiet zwischen Loire und Paris. Bei MILLY-LA-FORÊT hat JEAN TINGUELY seinen CYCLOP errichtet.

23 m hoch erhebt sich der Einäugige mit viel typischer Mechanik in seinem Hinterkopf.

Nun geht's endgültig heimwärts über NANCY

und die VOGESEN, wo wir

vor 38 Jahren mit drei kleinen Buben im Berghotel übernachtet haben.

Kenno - bretonisch auf Wiedersehen mit bretonischer Flagge.