Osterferien 2022 im Friaul

Diesmal wollten wir das FRIAUL, ein kleines Stück Italien, das wir bisher meist links bzw. rechts liegen gelassen haben, einmal genauer ansehen.

Es liegt mit dem dazugehörenden JULISCH VENETIEN (Venezia Giulia) im äussersten Osten von Oberitalien.

Über Mailand, Bergamo fahren wir bis Treviso. Noch nicht ganz im Friaul, geniessen wir die Fahrt durch die COLLI DEL PROSECCO

Nur der Prosecco, der hier wächst darf das Prädikat DOCG tragen „Denominazione di Origine Controllata e Garantita“ (dt. „kontrollierter und garantierter Ursprung“).

In Vittorio Veneto geraten wir an einem Sonntag direkt in einen Blumenmarkt

Ein erstes Mal werden wir mit der kriegerischen Vergangenheit konfrontiert

Es zeigt realistisch die Grausamkeit, ohne nationalistischen Pathos.

Die Berge und der Untergrund im Friaul besteht aus löcherigem Kalkstein (Karst). Das Wasser versickert rasch, sammelt sich im Untergrund und tritt häufig als grosse Quelle zu Tage. Hier die des Flusses LIVENZA.

Quellen waren schon in Vorzeiten oft als Heiligtum verehrt. Auch heute noch ist diese Maria geweiht. Wer findet sie im Wasser?

Die LIVENZA, kurz nach der Quelle.

In der Nähe liegt PORDENONE. Im archäologischen Museum "IL TORRE" werden die meisten vorgeschichtlichen Funde Friauls konserviert. Das durfte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Schon das Gebäude selbst ist sehenswert. Aussen könnte es dem Maler Böcklin (Die Toteninsel) als Vorbild gedient haben und innen hat es wunderbare mittelalterliche Fresken.

Der älteste Fund ist ein "Faustkeil", der gemäss der Abschlagtechnik den Neandertalern zugeschrieben werden kann. Interessant auch die feinen Knöchelchen, bei denen Kerben von der menschlichen Bearbeitung zeugen.

Wenige km weiter finden wir in der Kirche von Valvasone eine VENEZIANISCHE ORGEL.

Sie wurde 1535 gebaut und ist noch die einzige Orgel aus venezianischer Zeit, die noch bespielbar ist. Auch die Bemalung aus der gleichen Epoche trägt zum hohen Wert der Orgel bei.

Weiter nördlich haben wir San Daniele besucht. Der Schinken von hier ist fast so berühmt wie der Parmaschinken. Leider war aber am Montagmorgen im ganzen Städtchen "tote Hose". Dafür konnten wir im Nachbarort, SAN TOMASO, ein altes KREUZFAHRER-HOSPIZ besuchen.

Der volle Name lautet: L’HOSPITALE DI SAN GIOVANNI DI GERUSALEMME. Es ist eine Mischung von Spital, Hospiz, Burg und gehörte den Tempelrittern von Jerusalem und liegt an der damals wichtigen via d'Allemagna (Pilgerroute Nordsee - Alpen - Friaul - Adria, dann per Schiff nach Jerusalem)

Das Hospitale hat eine sanfte Renovation hinter sich, bei der auch hier mittelalterliche Wandmalereien zum Vorschein gekommen sind. Es dient heute wiederum als Tagungsort und Unterkunft für Pilger.

Der TAGLIAMENTO, Hauptfluss des Friauls, hat ein breites unverbautes Flussbett. Ich kann bis zu einem Drittel ins Flussbett gehen.

Lediglich bei PINZANO kommt es zu einer Enge, durch die der Fluss sich sanduhrmässig zwängen muss.

Früher war hier eine Fähre (Traghet).

Und entsprechend konnten wir hier im Ristorante AL VECJO TRAGHET (zur alten Fähre) unseren PROSCIUTTO DI SAN DANIELE geniessen. PS: Im Friaulischen werden bei vielen Wörtern die italienischen Endungen weggelassen.

Noch weiter nach Norden bei Tolmezzo besuchen wir einen ART PARK, einen Freilicht-Kunstpark

Ein freundlicher Gärtner erklärt uns die Kunstobjekte und die Namen der Künstler. Als erstem begegnen wir dem CERCHIO, dem KREIS, aus Wackensteinen "Gwäggi" aus dem Tagliamento von Richard Long.

Käthi erscheint durchschimmernd im PADIGLIONE DI VETRO, im Glaspavillon von Dan Graham. Die Glaswände sind Zweiwegspiegel.

Paul steht im LABYRINTH von Peter Kogler aus Innsbruck. Das dritte Werk ist von Richard Nonas, ohne Titel. Es wird der Kunstform "minimal art" zugerechnet.

Vom GARTEN DER BESCHEIDENHEIT, dem GIARDINO DEI SEMPLICI, haben wir gelesen. Er liegt schon fast in den friaulischen Dolomiten. Wir haben ihn über ein enges kurvenreiches Strässchen erreicht.

Es ist ein botanischer Garten mit Pflanzen, die in höheren Lagen des Friaul (hier etwa 600m ü.M.) vorkommen und auch in den hiesigen Gärten gepflanzt werden. Fein säuberlich sind die Pflanzen mit lokalen und botanischen Namen angeschrieben.

Hier oben im Norden liegt auch VENZONE.

Das Städtchen wurde 1976 von einem Erdbeben schwer getroffen. Die Spuren sieht man immer noch in der wieder aufgebauten Kirche.

Örtlich bekannt allerdings ist ein besonderer Fund, der durch das Erdbeben sichtbar wurde.

Es handelt sich um Mumien aus dem örtlichen Friedhof. Der Grund der Mumifizierung liegt in einem Bodenpilz, der die Leichen befällt und austrocknet. Aufbewahrt sind sie in der Krypta der Kapelle SAN MICHELE.

Nun geht's in den südöstlichen Zipfel von Julisch Venetien Richtung Triest.

In dieser Gegend fliesst der ISONZO. Im 1. Weltkrieg wurde hier zwischen Italien und Österreich grausam gekämpft. In den 12 Schlachten am Isonzo mit jeweils nur geringen Geländegewinnen kamen über 100'000 junge Männer ums Leben.

Für die italienischen Soldaten wurde ein monumentales Kriegerdenkmal an einem damals heftig umkämpften Hügel angelegt.

Viel besser gefiel uns die ARA PACIS MUNDI (Altar des Weltfriedens)

1953 erstellt, soll er allen Getöteten und Verschwundenen aus allen Kriegen gedenken.

Wie wahr: DER HASS BRINGT TOD - DIE LIEBE ERZEUGT LEBEN

Und nun sind wir in TRIEST, der Stadt der drei Winde, wie sie von Dichtern genannt wird.

Hier am CANALE GRANDE geniessen wir den Apéro,

während unten im Canale unten grosse Medusen vorbeischwimmen.

Als Beispiel für die frühere Vielvölkerkultur in Triest hier ein Bild aus der serbisch-orthodoxen Kirche.

Angetan hat uns auch der Friedhof, speziell die Urnengräber im üppigen Blumenmeer.

Doch auch in Triest finden sich Zeugen einer dunklen Vergangenheit.

Die RISIERA, eine in den 1920er Jahren gebaute Reisverarbeitungsfabrik, wurde 1943 von den Deutschen als Konzentrationslager benutzt.

Enge Gefängniszellen im Gefängnis, in die bis zu 6 Menschen eingepfercht worden sind.

Wir fahren in die KARSTBERGE hinter Triest, dem schmalen Landstreifen zwischen Adria und Slowenien.

Mit herrlicher Aussicht über Triest und seinen Hafen.

Hier oben besuchen wir den GIARDINO CARSIANA (Karstgarten), einen botanischen Garten in eine Doline (eingebrochene Karsthöhle) mit Pflanzen aus der Umgebung.

Zu Mittag essen wir ausgezeichnet in einer BAJTA .

Eine Bajta (ein Wort aus dem örtlichen Dialekt) ist eine Mischung aus Hofladen und improvisiertem Restaurant. Die eigenen Produkte umfassen Brot, Schinken, Salami und vieles vom Feld.

In den etwas versteckt liegenden Hügeln treffen wir auf Zeugen schlimmer Zeiten

Zum Beispiel die FOIBA DI BASOVIZZA. Eine Foiba ist eine senkrecht abfallende Höhle im Karst. Hier wurden, hauptsächlich von Titos Partisanen unliebsame Menschen lebendig in die 200m tiefe Höhle hinuntergeworfen. Geschätzt sind ca. 30'000 Menschen, hauptsächlich Italiener aus Istrien, dieser so genannten "Säuberung" nach dem 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen.

Etwas versteckt hinter einem Campingplatz liegt ein verlassener und überwucherter deutscher Soldatenfriedhof.

Zuerst haben wir nur eine Art Altar bemerkt. Die Farbe des weissen Kreuzes soll noch original sein. In einem Bericht eines lokalen Historiker heisst es: Die Deutschen haben eben schon damals gute Farben gehabt.

Erst beim weiteren Umsehen bemerken wir, dass wir in einem Gräberfelder stehen. Kleine Hügel, von Bäumen längst überwachsen, zeigen die Gräber an. Im Hintergrund die alte Friedhofsmauer.

Wieder unten, nahe am Meer, finden wir die QUELLEN DES TIMAVO.

Es handelt sich um 3 nahe beieinander liegende Quellen sprudelt der Fuss.

Der TIMAVO ist übrigens mit nur 2 km Länge von der Quelle bis zur Mündung der kürzeste Fluss Italiens.

Das unterirdische Quellgebiet selbst ist natürlich viel länger. Es soll über 100 km lang sein.

Die letzte Station im Friaul ist die Kirche von AQUILEIA

Von aussen eine schöne alte Kirche im romanischen Stil. Ihren grossartigen Schatz birgt sie aber im Innern.

Es sind Bodenmosaike aus dem 4. Jhd., also noch aus römischer Zeit.

Der Kampf des Hahns gegen die Schildkröte symbolisiert den Kampf des Guten (Christus) gegen das Böse. Weiter berühmt ist die Fischerszene, wo Petrus vom einfachen Fischer sich zum Menschenfischer wandelt. Daneben viele Darstellungen von Pflanzen und Tieren.

Die Heimreise führt uns nun wieder durch die Po-Ebene. Unvermittelt tauchen daraus Hügel auf, wie Inseln.

Es sind die COLLI EUGANEI, die Euganeischen Hügel. Es handelt sich um alte Vulkane.

Aus diesem Grund sprudelt hier warmes Thermalwasser, was von den Thermen von Abano und Montegrotto genutzt wird.

Nun gilt es von Italien wieder einmal Abschied zu nehmen. Wir verbringen die letzte Nacht auf dem Julier

... und so heisst es denn