Italienrundreise Sommer 2021

Den Weg nach Italien wählen wir diesmal über den Ofenpass und das Südtirol. Angeregt durch das Buch "ITALIEN - Porträt eines fremden Landes" machen wir Halt bei der SALURNER KLAUSE (Chiusa di Salorno).

Diese Klus ist die historische Sprachgrenze zwischen Deutsch und Italienisch. Das Bild (Fotoapparat vergessen darum aus Wikipedia) zeigt den Blick von der Haderburg über dem Dorf Salurn/Salorno Richtung Süden.

Wir fahren entlang dem Gardasee und folgen dem Fluss MINCIO. Es ist der Ausfluss aus dem Gardasee und fliesst in den Po. Er war lange Zeit eine wichtige Ost-West - Grenze. Bei Borghetto wurde schon im Mittelalter ein 600 m langer Damm mit schwer befestigten Bücken über das Mincio-Tal gebaut. Sie werden heute noch vom normalen Strassenverkehr genutzt.

Im Berner Staatsarchiv liegen Briefe von Schweizer Söldner, in denen sie 1512 stolz nach Hause berichten, sie hätten die "uneinnehmbare" Festung erobert.

Vermutlich ging es damals nicht so entspannend zu wie heute. Hier blickt man von der Festungsbrücke auf den Mincio und ein gemütliches Ausflugslokal.

Dem Mincio entlang auf dem Weg nach Mantua besuchen wir das SANTUARIO DELLA BEATA VERGIGNE DELLA GRAZIE (Heiligtum der heiligen Jungfrau von der Gnaden).

Das Besondere darin sind lebensgrosse Figuren aus Pappmaché, die gewisse Lebensumstände von Verstorbenen um das Jahr 1500 zeigen, wobei die einen Umstände deutlich unangenehmer waren als die anderen.

Und nun fahren wir auf MANTUA zu.

Der Mincio, der die Altstadt zu Dreiviertel umfliesst wurde schon früh aus Verteidigungsgründen zu drei Seen gestaut. Wir fahren hier auf dem Damm zw. Lago di Mezzo und Lago inferiore auf die Altstadt zu.

Eines der Ziele - wie könnte es auch bei meinem Hobby anders sein - ist das ARCHÄOLOGISCHE MUSEUM. Darin ist das Originalgrab der LIEBENDEN VON MANTUA bzw. der Liebenden von Valdaro zu sehen (Valdaro ist der eigentliche Fundort in der Nähe von Mantua).

Das Grab stammt aus der Jungsteinzeit, ca. 3'500 Jahre vor der Zeitwende. Solche Doppelgräber von Mann und Frau sind aus dieser Zeit extrem selten. Die beiden waren zw. 18 und 22 Jahren jung und etwa 148 cm gross. Daneben sehen wir Schmuck und Waffen, gefunden als Grabbeigaben.

Wir durchqueren die Poebene. In einem Seitental im Vorgebirge des Apennin besuchen wir ein an sich unscheinbares Dorf: PREDAPPIO.

Kein Tourist würde sich dorthin verirren, wenn das Dorf nicht eine besondere Geschichte hätte, die ihm einige Baudenkmäler beschert hat.

Es ist der Geburtsort von Benito Mussolini. Als er an die Macht kommt will er sein Dorf aufwerten. Mehrere Gebäude im typischen Baustil des Faschismus sind bis heute praktisch unverändert erhalten.

Die Polizeikaserne.

Das Versammlungslokal der Partei, bzw. des Partito Nazionale Fascista. Der Turm soll an den Campanile auf dem Markusplatz von Venedig erinnern. Der ganze Komplex ist schon lange nicht mehr benutzt und verlottert allmählich vor sich hin.

In der Umgebung wird geerntet.

Obwohl kleinräumig und oft hügelig, werden moderne Maschinen eingesetzt.

Anfang Juli ist der Boden schon stark ausgetrocknet.

Während der Fussball-EM regen sich auch bei den Bauern patriotische Gefühle. Zu Beginn der Fussball-EM werden die Strohballen in den Nationalfarben grün weiss rot eingepackt.

Wir fahren zurück in die Po-Ebene und suchen ein unscheinbares Flüsschen in der Grösse unseres Birsig. Kaum 25 km lang fliesst es nördlich von Rimini in die Adria. Auch hier würde niemand danach fragen oder suchen, wenn da nicht auch da ein berühmter Name mit im Spiele wäre.

Es war niemand geringeres als JULIUS CAESAR, der, entgegen der Order des Senats von Rom, den Fluss RUBICON mit seiner Armee überschritten hat. Da der Rubicon eine Grenze zum römischen Kernland darstellte, kam dies einer Kriegserklärung an die römische Regierung gleich.

Caesars berühmtes Zitat beim Überschreiten lautet: "ALEA IACTA EST" zu deutsch "Die Würfel sind gefallen" und bedeutet heute sinngemäss dass bestimmte Geschehnisse unumkehrbar sind, unausweichlich bevorstehen oder dass eine Sache definitiv entschieden ist.

Hier bei SAN MAURO PASCOLI, beim vermuteten Übertritt wird auf verschiedenen Ebenen (Kunst, Beschilderung, Werbung) das längst vergangene Ereignis lebendig erhalten.

PS: Es gibt eine Verbindung zum vorherigen Ort Predappio. Unter Historikern ist immer noch umstritten, welches Flüsschen genau der Rubicon war. Aber Mussolini hat per Dekret 1933 bestimmt der damalige Fluss Fiumicino sei der antike Rubicon und der Übergang Caesars habe bei SAN MAURO PASCOLI stattgefunden.

Nun fahren wir auf kleiner Strasse über den teilweise recht wilden Apennin.

Auf einem Waldparkplatz ein Zeichen der Volksfrömmigkeit.

Wir kommen auf der anderen Seite in die Gegend von Arezzo, wo wir das kleine Städtchen SANSEPOLCRO (zu deutsch Heiliges Grab) besuchen. Hier im mittelalterlichen Ratssaal - und nicht etwa in einer Kirche - hat der Maler Piero della Francesca mit der Auferstehung ein bedeutendes Wandbild gemalt.

Das Bild, gemalt 1468, gehört zur Frührenaissance. Der Maler stellt Jesus nicht als geschundenen Menschen, sondern als strahlender Sieger über den Tod dar. Ähnlich wurden in dieser Zeit auch antike Götter und siegreiche Kaiser dargestellt.

Für Kunstliebhaber: Dem Bild liegt eine harmonische Geometrie zu Grunde. Die Figuren sind im Sinne einer Komposition angeordnet. Das Bild ist quergeteilt durch die Grabeskante. Der Maler hat zwei Fluchtpunkte gewählt, der eine liegt im Sarkophag, weshalb die Gesichter der Wächter von unten erfasst sind und der zweite liegt zwischen den Augen des Heilands, weshalb ihm der Betrachter direkt in die Augen schaut. Nicht ganz verwunderlich hat sich Piero della Francesca später ganz der Mathematik zugewandt.

Auf sein damals weit beachtetes Werk LA SEDUZIONE DELLA PROSPETTIVA (Die Verführung der Perspektive) wird im Museum hingewiesen.

Sich selbst hat er sich im zweiten Wächter von links porträtiert. Dazu ist eine seiner perspektivischen Studien erhalten.

Am Nachmittag fahren wir an den TRASIMENO, den trasimenischen See. Diesmal verzichten wir, das Schlachtfeld zu besuchen, wo Hannibal den Römern eine vernichtende Niederlage bereitet hat. Dafür steuern wir den CAMPO DEL SOLE, einen Skulpturenpark, an.

27 Bildhauer haben zwischen 1985 und 1989 zum Thema „Säule“ 27 Werke aus dem örtlichen Sandstein mit einer Höhe von je etwa 4,50 Metern und etwa 1,00 Meter Durchmesser geschaffen. Die Säulen wurden in einer Spirale mit 44 Metern Durchmesser angeordnet. In der Abendstimmung wirken sie noch etwas mysteriöser als am Tag.

Bein Abendspaziergang fällt mir ein Gebäude auf, das einem Schiff nachempfunden ist.

Ich finde die Architektur sehr passend, denn es ist das Büro der Vereinigung der Kommunen vom trasimenischen See. Die künstlerische Qualität scheint in der Fachwelt offenbar nicht besonders geschätzt, denn ich habe nirgends irgend etwas über die Baugeschichte gefunden.

Mit dem Trasimeno sind wir in UMBRIEN angekommen. Wir besuchen PERUGIA , die Hauptstadt, die auf das vorrömische Volk der ETRUSKER zurückgeht. Sie hat viel zu bieten, hier eine kleine Auswahl

Die Stadt liegt auf Hügeln, weshalb man ins herrliche Umland blicken kann, was von den alten Baumeistern geschickt ins Bild gesetzt worden ist. Innen in der Altstadt trifft man auf viele Details, wie den Eingang zum Dom oder Szenen aus dem Leben einfacher Leute am grossen Brunnen, der Fontana Maggiore.

Was ich aber unbedingt sehen wollte, war der ETRUSKISCHE BRUNNEN. Die kleine Spitze (im vergleich zur Tiefe) ragt über den Boden und obwohl WELTKULTURERBE, ist sie nur von einem banalen Parkplatz umgeben.

Dies war schon etwas enttäuschend.

Umso beeindruckender ist das Bauwerk im Innern, zu dem man hinabsteigen kann.

Mit dem Bau ist im 4. Jhd. vor Chr. begonnen worden. Vermutlich zunächst als Zisterne gebaut, wurde diese bald auf 37 m Tiefe erweitert. Damit erreichen und speisen Wasseradern das Bauwerk, weshalb es seither als Brunnen gilt und POZZO ETRUSCO genannt wird.

In Umbrien gibt es eine Quelle, bei der das Wasser direkt aus dem Boden quillt und dabei einen kleinen Teich bildet aus dem dann das Flüsschen Clintunno entspringt.

Der Ort wurde schon von römischen Dichtern als LOCUS AMOENUS CLINTUMNUS (lieblicher Ort am Clintunno) besungen. Aber auch in neuerer Zeit haben Dichter wie Lord Byron ihn in ihren Werken verewigt. Er heisst drum auch QUELL DER POETEN.

Es ist wirklich ein Ort zum Entspannen, besonders nach städtischen Sightseeing-Rundgängen.

Dass das Wasser als Karstquelle direkt aus dem Boden kommt, sieht man an den sich "ohne Grund" bildenden Wasserringen.

Wir kommen in die SIBYLLINISCHEN BERGE, einem etwas einsamen Teil des Apennin.

Auf einem abenteuerlichen steilen Bergsträsschen haben wir tatsächlichen einen herrlich gelegenen Campingplatz mit Schwimmbecken gefunden.

Wir suchten in diesen Bergen das kleine Kloster ABBAZIA DI SANT'EUTIZIO. Für uns beruflich interessant, weil dort um 1400 eine neue Art der Chirurgie entstanden ist. Die Mönche haben zusammen mit Metzgern der Gegend neue Operationsmethoden entwickelt, im Gegensatz zu den Lehren an den Universitäten, die sich immer noch und ausschliesslich an den Schriften antiker Ärzte orientierten.

Was wir noch nicht wussten, diese Gegend war auch das Zentrum des grossen Erdbebens von 2016. Und so standen wir anstelle eines netten kleinen Klosters mit Museum (kleines Bild aus dem Internet) vor den Trümmern, die nur notdürftig vor dem weiteren Einsturz gesichert sind.

In NORCIA, einem Städtchen mit gutem Ruf für einheimische bäuerliche Produkte, insbesonders würzige Würste, das gleiche Bild.

Aber die Leute lassen sich nicht unterkriegen und haben ausserhalb der Stadt viele Marktstände aufgebaut, wo wir auch die lokal berühmten Roveja-Bohnen kauften. Sie sollen bei der Ernte sehr handarbeitsintensiv sein, denn die Bohnen reifen an der selben Staude zu unterschiedlichen Zeiten.

Es geht höher in die sibyllinischen Berge und wir durchqueren die PIANO GRANDE, die Hochebene von Castelluccio.

Sie hat den Namen vom Dorf, das am Ende der Ebene leicht links auf dem Foto zu erahnen ist. Beim Näherkommen zeigt sich allerdings ein bedrückendes Bild.

Im Gegensatz zu Dörfern und Städten die mindestens vor dem weiteren Einsturz gesichert werden, wurde Castelluccio aufgegeben. Bild links aus dem Internet.

Wir fahren jetzt zum "Sporn" vom italienischen Stiefel, dem GARGANO. Damit kommen wir auf dieser Reise zum ersten mal ans Meer.

Erster Halt im Fischerstädtchen PESCHICI. An dieser Felsenküste gibt es noch viele Fischergalgen (Trabucchi), die bis ins 14. Jhd. zurückgehen sollen.

Einer davon wurde zu einem Fischrestaurant "erweitert", dem RISTORANTE TRABUCCO DA MIMI

Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, das Abendessen dort zu geniessen.

Der Gargano ist ein etwa 50 km langer Höhenzug, der sich mehr als 500m über Meereshöhe erhebt. Bei der Spitze verlassen wir die Küstenstrasse und fahren über den Bergrücken zurück. Er wird höher und höher, bis er beim Dorf RIGNANO abrupt in die davor liegende Schwemmebene abbricht. Dort haben sie eine originelle Aussichtsplattform eingerichtet.

Diese 500 m Höhendifferenz ändert alles bezüglich Landschaftsbild und Landwirtschaft. Auf engen Serpentinen geht es ins Tal.

Und weiterhin lockt der Süden und so fahren wir der Adria entlang Richtung BARI. Doch auf meinen Wusch hin machen wir eine kleinen Abstecher von der Küste weg, denn hier finden wir erstens ...

... den DOLMEN DI CHIANA. Er ist ein Megalithengrab (Grosssteingrab oder Hünengrab) aus der italienischen Spätbronzezeit (2300 - 1750 v.Chr.). Der eigentlichen Grabkammer mit 1.8 m Kantenlänge ist ein etwa 7 m langer Korridor vorgebaut.

... und zweitens ist da noch eine eingestürzte DOLINE, also eine unterirdische Kalksteinhöhle, bei der die Decke eingestürzt ist.

Es ist die GROTTA CASTELLANA. Bei der Erforschung wurden massenhaft Tierknochen gefunden, denn die das Loch im Dach wurde früher als Abfallgrube benutzt, insbesondere für Tierkadaver.

Auch dieses Bild stammt ebenfalls aus dem Internet, weil mein Fotoapparat und mein Handy - oder etwa ich? - mit den Lichtverhältnissen nicht klar kamen.

Zur Abwechslung ein Touristen-Hotspot, der an der Route liegt: ALBEROBELLO, das Städtchen mit den typischen Rundhäuschen, den TRULLI.

Ein Bummel durch den Ort mit Blick auf Souvenirs und einem Apero gehören ja auch zu den Ferien.

In BRINDISI suchen wir ein weiteres geschichtliches Zeugnis. Die VIA APPIA, die Strasse, die ROM mit dem Süden verband, endete hier im Hafen. In die weiteren römischen Provinzen gings von da an nur noch per Schiff.

Zu Ehren NEPTUNS, des Meeresgottes und natürlich auch zu Ehren Roms wurden hier zwei Säulen errichtet, von denen eine noch ganz steht.

Wir fahren nun ins südliche Apulien, in den "Stiefelabsatz".

Nachdem wir bisher an vielen grünen Kulturen von Gemüse und Olivenbäumen vorbei gekommen sind, zeigt sich plötzlich ein deprimierendes Bild.

Es gibt nur noch abgestorbene graue Olivenhaine, wenn sie nicht schon gänzlich abgeholzt sind.

Der Grund ist ein Bakterium, das auch 1000 jährige Bäume rasch absterben lässt. Verbreitet wird es von Zikaden, die hier zu tausenden zirpen. Ob die weitere Ausbreitung nach Norden gestoppt werden kann ist ungewiss. Immerhin waren weiter nördlich und später in Kalabrien die Olivenbäume noch grün.

Im tiefsten Süden, im "Absatz" des Stiefels, besuchen wir das schönste Städtchen Italiens. Es ist GALLIPOLI, und dieser griechische Name bedeutet auch nichts geringeres als "Schöne Stadt".

Die auf einer Halbinsel gelegene die Altstadt ist sehr gut erhalten.

Und abends laden Beizli an der Quaimauer zum Verweilen ein.

Auf dem Weg nach Kalabrien passieren wir TARENT. Ein Meereskanal trennt die Altstadt von neueren Quartieren. Dahinter liegt ein Kriegshafen. Damit die grossen Schiffe passieren können, musste eine spezielle Brücke gebaut werden.

Es ist der PONTE GIREVOLE, oder die EISERNE DREHBRÜCKE von Tarent. Gebaut im 19.Jhd. galt sie als ein technisches Meisterwerk. Die Brücke kann in der Mitte getrennt und beide Teile zur Seite gedreht werden.

Wer den Blog "Eine Reise durch Deutschland im Corona-Jahr 2020" gelesen hat, erinnert sich vielleicht, dass wir eine ähnliche Brückentechnik in Wilhelmshaven in Norddeutschland gesehen haben.

Die Altstadt ist leider am zerfallen. Viele Häuser stehen leer. Die schlechte Luftqualität aus den umliegenden Öl-Raffinerien und riesigen Stahlwerken soll die Leute in den letzten 40 Jahren vertrieben haben.

Ob versprochene Rauchreinigungsprojekte schon wirken oder ob wir einfach einen "guten" Tag erwischt haben weiss ich nicht. Jedenfalls ist der Himmel nicht so russgeschwängert wie auf alten Fotos.

Entlang der Küste vom Golf von Tarent (sozusagen an der "Fusssohle" des Stiefels entlang) erreichen wir den südlichsten Ort unserer Italienreise.

Es ist das Bergdorf ROSSANO. Auch dies hat zwar eine schöne Altstadt, die sich hinter dem Bergkamm "versteckt". Aber das Dorf wäre kaum der Rede Wert, wenn es nicht einen kostbaren Schatz hüten würde.

Es ist der CODEX PURPUREUS ROSSANENSIS, eine der ältesten noch gut erhaltenen Bibeln der Welt, geschrieben und gezeichnet mit Gold- und Silbertinte auf purpur-gefärbtem Pergament. Alles Zeichen, dass sie schon zur Entstehungszeit äusserst kostbar war.

Sie entstand im 6.Jhd. in Syrien und wurde von verfolgten Mönchen, im 8.Jhd. hierher gebracht. 2015 wurde das Buch ins WELTKULTURERBE DER UNESCO aufgenommen.

Ein weiteres mal überqueren wir den Apennin, der hier im südlichsten Teil ASPROMONTE (rauer Berg) heisst.

Man fährt hier stundenlang durch einsame Wälder.

In dieser Einsamkeit finden wir auch die GROTTA DEL ROMITO (Höhle des Einsiedlers). Das Besondere - was könnte es auch anders sein - ist natürlich ein vorgeschichtliche Fundstelle.

Unter diesem Felsvorsprung (Abri) wurde neben Gräbern auch eine Steinritzung (Petroglyphe) gefunden, die etwa 15'000 Jahre alt ist. Sie stellt einen Auerochsen dar, darunter noch ein Kalb und ist die älteste künstlerische Darstellung, die je in Italien gefunden worden ist.

Das Erstaunliche: Der Stein mit der Zeichnung ist das Original, das hier liegt.

Weitab von Dörfern und Städtchen finden wir einen Waldparkplatz. Zum ersten mal erleben wir einen Regenschauer und können uns nach heissen Reisetagen erstmals vorstellen wie das Wetter in der Schweiz ist.

Ausser dem Bauern und seinen Kühen treffen wir niemanden.

Im Gegensatz zum Schweizer Wetter ist am anderen Morgen wieder eitel Sonnenschein.

Entlang den tyrrhenischen Meer fahren wir nordwärts.

Landschaftlich eine wunderschöne Steilküste.

Auf die Gefahr hin einige von euch langsam zu langweilen, muss ich von einer weiteren Ausgrabung erzählen. Bei ISERNIA einer kleinen Stadt in der Molise, also Höhe zwischen Neapel und Rom wurde eine Schnellstrasse gebaut. Dabei stiess man auf eine ausgedehnte Schicht mit vielen Knochen und Spuren menschlicher Tätigkeit (Jagd).

Um in Ruhe und wettergeschützt die Grabung ausführen zu können, wurde eine grosse Halle darüber gebaut. Gestaltet als aktives Museum kann man nun vom 1. Stock den Archäologen zusehen. Bei unserem Besuch war gerade Sonntag, darum ist niemand an der Arbeit.

So sieht's im Detail am Boden aus.

Die Tierknochen stammen von Elefanten, Bisons, Flusspferden, Nashörnern Bären und Hirschen.

Die Schichten sind 600'000 Jahre alt. Sie stammen somit aus der Altsteinzeit. Die Menschen, die diese Tiere jagten, waren älter als die Neandertaler. Dass tatsächlich Menschen die Tiere erlegt haben, zeigt sich an den Schnittspuren in den Knochen. Von den Menschen selbst wurde bisher lediglich ein Milchzahn gefunden.

Wir nähern uns dem GARIGLIANO, einem Fluss der traditionell als Grenzfluss zwischen Nord- und Süditalien gilt.

Entsprechend war schon immer das Bedürfnis ihn gut passieren zu können. Nahe der Mündung finden wir 3 Brücken:

Zuerst sehen wir die älteste der drei, die BURBONEN-BRÜCKE. Sie wurde 1830 gebaut und galt als eiserne Kettenbrücke damals als technische Sensation. Passend dazu die wachhabende SPHINX. In der Mitte ist die Brücke der heutigen Landstrasse (Bogen) und zuhinterst die moderne Autobahnbrücke.

An diesem Ort sind drei grosse Schlachten bekannt: 915 päpstliche Armee gegen Sarazenen (Araber), 1503 Franzosen gegen Spanier aus Neapel und 1943 versuchten die Deutschen mit der so genannten "Gustav-Linie" entlang des GARIGLIANO die Amerikaner gegen Norden aufzuhalten.

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist auch noch in der Nähe:

Es ist das stillgelegte ATOMKRAFTWERK GARIGLIANO.

Es war in Betrieb bis 1986 und hätte bis 2016 total zurück gebaut werden sollen. Das geht leider nicht mehr, denn vor dem Abriss wurde es als Industriedenkmal unter Denkmalschutz gestellt.

Wie hiess doch gleich die Redewendung des englischen Hosenbandordens: "Honi soit qui mal y pense!" (Schande über den, der Böses dabei denkt).

Bei ROM möchte ich mal den Anfang der VIA APPIA sehen. Das Navi führt uns hin.

Doch was wir sehen, erstaunt uns erneut. Hier fährt der örtliche Quartierverkehr direkt auf den alten römischen Strassensteinen.

In einem Vorort von ROM soll es ein Baudenkmal der Moderne geben, die CASA ALBERO in FREGENE

Es ist ein avantgardistisches Wohnhausprojekt aus Sichtbeton, gebaute in den 60er Jahren, im Stile des BRUTALISMUS (Dem Brutalismus sind wir schon einmal dieses Jahr in Lausanne begegnet - Reise durch die Westschweiz ... Ostern 2021)

Der Wohnraum unterteilt sich in ineinander verschlungene Kuben. Sie sind einem Gitterwerk von Betonbalken eingehengt. Der Baderaum ist als Betonsphäre wie ein Raumschiff angedockt.

Eine weitere Sphäre bildet das Gartenhäuschen. Das Haus steht seit über 20 Jahren leer. Leider ist eine Besichtigung von innen nicht möglich.

Auf den Heimweg machen wir nochmals einen Schlenker nach Umbrien. Wir besuchen den FOSSILEN WALD VON DUNAROBBA.

Dieser Hang im Hintergrund ist eine alte Ton-Lehm-Grube. In den 70er Jahren stiess man beim Abbau auf alte Baumstrünke.

Sie sind die Reste eines Waldes von Mammutbäumen, die hier in einem Sumpf langsam abstarben. Das Holz ist 2-3 Millionen Jahre alt, somit sind es Fossilien, aber sie sind noch nicht versteinert. Im Prinzip brennen sie wie Holzkohle. Leider fehlt es an Geld, diese seltenen Exemplare dauerhaft zu sichern.

Immer noch in Umbrien, in TERNI, besuchen wir den Dom. Hieher lockt ein modernes Wandbild: LA RESURREZIONE (die Auferstehung).

Es ist ein Bild des argentinischen Künstlers RICARDO CINALLI im Auftrag des Erzbischofs Paglia. Es zeigt Jesus, wie er alle Menschen, auch Frauen, Schwarze, Asiaten, Schwule etc. mit in den Himmel nimmt.

Das Bild hat bewusste einen erotischen Touch. Der Auftraggeber hat sich ebenfalls verewigen lassen, er umarmt einen ziemlich hüllenlosen Mann.

Wieder zurück in der Toskana besuchen wir den PARCO SCULTURE DEL CHIANTI, ein Skulpturenpark, der von einer reichen Familie für die Öffentlichkeit in einem lockeren Wald angelegt worden ist.

Zuerst muss man für das Billet etwas anstehen und wird als Besucher gleich in das Kunstwerk integriert.

Dann kann man auf einem Rundweg rund 30 in Auftrag gegebene Skulpturen internationaler Künstler bewundern.

zB. DER KIEL von KEMAL TUFAN, Türkei

oder ISLAND von KIM HAE WON, Südkorea.

Zum Abschluss unserer Reise suchen wir einen so genannten LOST PLACE, einen verlassenen oder vergessenen Ort.

Der Vergnügungspark GREENLAND in MAILAND

In den 60er Jahren eröffnet und bald darauf wieder geschlossen. Noch wacht am Eingang das Maskottchen CASTORINO und weiter hinten sind Karusellfahrzeuge und Pedalos zu sehen.

Der Rest ist abgebaut oder von der Natur zurückerobert worden.

Wir fahren auf die Schweiz zu und wieder einmal heisst es: