Reise durch die Westschweiz in Coronazeiten, Ostern 2021
Eigentlich hatten wir wieder einmal einen Abstecher nach Italien geplant - aber eben. Alles zu oder mit Quarantäne belegt.
Wir ziehen darum los Richtung Jura und wollen dabei uns noch unbekannte Orte aufspüren. Als erstes steuern wir nahe Delsberg/Delémont CHÂTILLON an. Dort steht die älteste STIELEICHE Europas: "la Chêne des Bosses".
Den Namen "... des bosses" hat sie wegen ihren Wülsten und Beulen am Stamm. Im Internet findet sich folgende Beschreibung:
Die aussergewöhnliche Eiche gilt als die grösste und älteste Stieleiche in Europa. Als solche ist sie im Buch der Rekorde aufgeführt. Ihr Stamm ist so dick, dass es sieben bis acht Männer mit ausgestreckten Armen braucht, um ihn zu umfassen. Ihr Alter ist schwer zu bestimmen. Man weiss jedoch, dass sie mehrere Jahrhunderte alt ist; Legenden gemäss soll sie sogar mehr als tausend Jahre alt sein.
Nun geht's in die AJOUA. Dort soll es eine Karstquelle, den CREUX GENAT geben. Ich hab ihn schon einmal versucht zu finden. Aber diesmal gab's bei der Autobahnausfahrt von COURTEDOUX eine unverhoffte Polizeikontrolle. Sie wollten Pneus etc. kontrollieren. Ich habe sie nach der Quelle gefragt. Und statt Kontrolle wurde mir eifrig erklärt wo ich genau durchfahren solle. "Allez vers le village et chez le dinosaure vous tournez à gauche".
Am Ort, wo ungefähr die Quelle gemäss Karte sein sollte, gibt es keine Wegweiser oder sonstige Hinweise nur Feldwege und freie Natur. Schliesslich beim Bächlein mit den Weiden hab ich hinter diesen Büschen den CREUX GENAT gefunden
Ein - jetzt trockener - Trichter. Denn Wasser sprudelt hier nur bei anhaltendem Regenwetter. Es geht über die improvisierten Stufen fast 10 m in die Tiefe. Dass diese Karstrquelle auch anders kann, zeigen zwei Bilder aus dem Internet. Eines davon wie 2008 der ganze Talboden damals von dieser Quelle überschwemmt wurde.
Im Dezember 2021, nach einer zweiwöchigen Regenperiode, besuche ich den CREUX GENAT wieder. Diesmal ist er halb gefüllt:
Tags darauf fahren wir zu einem weiteren Naturphänomen. In der Schlucht nach Undervelier finden wir die GROTTE DE LA SAINTE COLOMBE. Sie trägt den Namen der heiligen KOLUMBA VON SENS einer frühchristlichen Märtyrerin. Bei Grabungen wurden in dieser Grotte schon Hinweise von Menschen aus der Steinzeit gefunden sowie keltische und römische Spuren.
Erstaunlicherweise finden wir viele Votivtafeln in spanischer Sprache. Entweder gibt's in der Nähe eine spanische Kolonie aus der Einwanderungszeit der 60er Jahre oder es hat damit zu tun, dass nach einer anderen Legende die Heilige nicht in Sens (bei Paris) sondern in Saragossa gelebt hat und dort auch heute noch verehrt wird.
Auch der Blick aus der Grotte hat seinen Zauber.
Die weitere Fahrt durch die GORGES DU PICHOUX bedeutet für das Wohnmobil eine gewisse Herausforderung. Durch sie gelangen wir zum Kloster von Bellelay, auf der Hochebene der Freiberge.
Das Kloster gehörte früher zum Bistum Basel. die Kirche selbst ist in barockem Stil erbaut. Allerdings ist die Innenausstattung sehr spartanisch und hat damit ihren eigenen Reiz. Die Klosterkirche selbst ist frei zugänglich, das ehemalige Kloster an sich ist heute eine psychiatrische Klinik.
Mitten in den Freibergen finden wir ein weiteres sehr bekanntes Naturdenkmal - wenn auch von Menschen mit einem Erddamm zusätzlich aufgestaut - den ETANG DE LA GRUÈRE
Der Hochmoor-See kann auch von Wanderfaulen bequem in einer Stunde umrundet werden. Das kleine Bild zeigt den Damm, der im 17. Jhd. errichtet wurde.
Im Val de Travers möchten wir den CREUX DE VAN besuchen. Winterliche Verhältnisse raten uns, ihn nicht mit dem Mobi oben zu besuchen.
Wir fahren deshalb mit dem Töffli zur FERME ROBERT, wo wir ihn von unten, quasi aus dem Felskessel bewundern können.
Nun geht's das Tal hinunter Richtung Neuenburgersee. Wir fahren durch Neuenburg hindurch bis HAUTERIVE, wo wir das LATENIUM, das kantonale archäologische Museum besuchen.
Der Name stammt von einem nahen Uferstreifen, genannt LA TÈNE, bei dem seit Mitte des 19. Jhd. Funde aus der vorrömischen Eisenzeit gemacht werden. Der Ort hat einer ganzen Epoche aus der Keltenzeit den Namen gegeben (LA-TÈNE-ZEIT, bzw. LA-TÈNE-KULTUR: etwa 500 v.Chr. bis Beginn der Römerzeit in Mitteleuropa).
Das Museum zeigt Funde aus der Altsteinzeit bis ins Mittelalter. Besonders beeindruckend ist der Nachweis eines Jagdunfalles, als noch Höhlenbären (ausgestorben vor 27'000 Jahren) gejagt wurden.
Dies ist der Fundort in einer kleinen Jurahöhle. Zunächst glaubte man, es handle sich um ein Grab eines Menschen mit Beigaben von imposanten Bärenknochen. Die menschlichen Knochen zeigten keine Verletzungen.
Bei einer genauen Nachuntersuchung, wurde eine Feuerstein-Pfeilspitze gefunden, die in einem Halswirbelknochen des Bären steckte. Anhand solcher Formen kann auch auf die Zeit der jeweiligen Kultur geschlossen werden.
Sehr wahrscheinlich war der Bär schwer verwundet und als der Steinzeitmensch seine Beute herausholen wollte, hat ihn der Bär mit letzter Kraft noch verletzen können, so dass er wohl verblutet ist.
Die LA-TÈNE-KULTUR wird hier im LATENIUM natürlich besonders gewürdigt.
Auf dem Bild sehen wir Waffen der damaligen Kelten und durchs Fenster blickt man über die Bucht, genau auf das Ufer von LA TÈNE (dieses sieht man auf dem nächsten Bild mit dem Mamut etwas besser).
Auf dem Vorplatz gibt es auch Attraktionen für Kinder.
Da können auch Grossväter wieder zu Kindern werden.
Unsere Reise geht nun durchs Seeland. Bei DÜTTINGEN, nahe Freiburg im Üechtland, finden wir die MAGDALENA-EINSIEDELEI.
In das Steilufer der Saane, bzw. des Schiffenensees, wie hier die gestaute Saane heisst, wurde im 17. Jhd. von 2 Mönchen die Einsiedelei in den relativ weichen Sandstein gegraben.
Neben religiösen Räumen wurden auch ganz normale Wohnräume mit Herd und Öfen und Schlafnischen gegraben.
Auch Terrassen mit schöner Aussicht auf die Saane durften nicht fehlen..
Sogar für einen kleinen Gemüsegarten hatte es noch Platz.
Wer kennt ihn noch?
Den LANDESSENDER SOTTENS !
Zu Beginn des Radio-Zeitalters gab es für Mittelwelle drei Landessender: Beromünster, Sottens und Monte Ceneri.
Im Dorf JAUN gibt's einen besonderen FRIEDHOF
Aus Armut konnte ein einfacher Mann sich keinen Grabstein für seinen Bruder leisten. Er hat ihm dafür ein Kreuz geschnitzt. Daraus hat sich durch ihn in Jaun eine besondere Grabkunst entwickelt.
Es werden jeweils für die Verstorbenen wichtige Alltagstätigkeiten darestellt.
Hier im Schloss Aigle gibt es ein interessantes Museum und einen hübschen Ausblick auf LES MURAILLES und die Eidechsen die darin herumspringen.
Dies ist wohl zu beachten.
Für ein ausgezeichnetes Mittags-Fondue fahren wir nach Genf.
Auf dem Rückweg machen wir in LAUSANNE einen Besuch bei der COLLECTION DE L'ART BRUT.
Wer findet den Fisch im Getümmel?
Die Art brut ist ein Sammelbegriff für autodidaktische Kunst von gesellschaftlichen Aussenseitern, Laien, Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder einer geistigen Behinderung. Die Bezeichnung ging vom französischen Maler Jean Dubuffet aus, der sich eingehend mit einer naiven und antiakademischen Ästhetik beschäftigte.
Einige aus unzähligen Beispielen.
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Auf einem Stellplatz am See, kurz vor Vevey ...
... geniessen wir den Abend und nehmen bald Abschied von der Romandie.
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Soweit ist es noch nicht gekommen ...
... aber immerhin, der letzte Tag der Osterferien 2021, der ist tatsächlich gekommen.