Annäherung an die Seele des Königs der Flüsse

Ein Abstecher nach Italien im Spätsommer 2019

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Angeregt zu diesem Suchen nach dem "unbekannten Italien" hat mich der geniale Reisedichter Paolo Rumiz mit seinem Buch

Für Paolo Rumiz ist der Po Italiens letzter weisse Fleck auf der Landkarte. Er hat ihn mit Kanu, Barke und Segelboot von den Gebirgen des Piemont bis zur Mündung in die Adria erkundet.

"Der weisse Fleck" bestätigt sich schon bei den Vorbereitungen: Kaum ein Hinweiss in den üblichen Reiseführern zu den von ihm beschriebenen Orten.

Mein erstes Ziel: Die von Rumiz beschriebene Trattoria del Ponte, einer Trattoria an einer der x-hundert Brücken über den Fluss, irgendwo im Nirgendwo.

Zitat aus Rumiz' Erzählung: Wir sassen zufrieden und erschöpft auf der Terasse der Trattoria Del Ponte, hoch auf dem ersten Brückenbogen am rechten Ufer , genau zwischen Piemont und Lombardei, tranken kühlen Bonarda und lauschten den tausend Stimmen des Wassers.

Doch leider war die Trattoria am späteren Nachmittag geschlossen (aperto dalle 7 alle 16) und wir konnten nur von der Brücke aus die Aussicht geniessen und den "Stimmen des Flusses lauschen".

Bei Pavia reicht die Lombardei über den Po weit nach Süden. Entsprechend heisst die Landschaft "Oltrepò pavese" was man mit "Pavia-Land, jenseits des Po" übersetzen kann. Es ist ein Hügelgebiet mit langer Weinbautradition.

Mit seinen Burgen und kleinen Dörfchen oben auf den Hügeln erinnert die Landschaft an die Toskana, weshalb sie von den Italienern auch "La Toscana del Nord" genannt wird.

Der Wechsel der Lanschaft ist um so einrücklicher, wenn man kurz vorher durch die topfebene Landschaft mit Reisanbau gefahren ist.

Wir fahren wieder zurück zum und über den Po. Bei der Einmündung des Ticino in den Po treffen wir auf die Doppelbrücke "Ponte della Becca".

Doppelbrücke, weil sie sowohl den Po wie auch den Ticino kurz vor seiner Einmündung überbrückt. Die beiden Flüsse hier sind nur noch durch eine Sandbank getrennt.

Erbaut wurde die Brücke 1910-12, also in der Zeit nach der italienischen Einigung. Davon zeugt auch das heroisch verzierte Epigramm mit folgender Inschrift:

PER CONCORDI ENERGIE DI COMUNE E PROVINCIA - L'ANNO MDCCCCXII [Durch vereinte Kräfte der Gemeine und Provinz - im Jahre 1912]

Wie Paolo Rumiz folgen wir nun dem Tessin flussaufwärts. Eine erste Überraschung ist die gedeckte Brücke, der Ponte Coperto, bei Pavia.

Sie sieht zwar mittelalterlich aus, ist aber erst 1952 gebaut worden - und sie ist verkehrstauglich!

Wie man auch sehen kann, laden die Säulen-Nischen zum "Tête-à-tête" ein, und von dort aus kann man auch die Reste der römischen Vorgängerbrücke sehen.

Fährt man weiter dem Ticino nach trifft man bald auf eine berühmte Kartause, die Certosa di Pavia, ganz im Renaissance-Stil erbaut. Zunächst fährt man duch eine Allee von über einem Kilometer Länge.

und steht dann vor dem mächtigen Bau der Klosterkirche.

Nicht nur Kunstliebhaber kommen hier auf ihre Rechnung, auch Tierfreunde freuen sich über die Klosterkatzen, die übrigens von den Mönchen gefüttert werden.

Miau!

Hier beginnt nach Westen die LOMELLINA, die "Reiskammer" Italiens. Sie ist topfeben dehnt sich über 1000 Quadratkilometer aus.

Diese zu bewässern braucht es ausgeklügelte Kanäle, die wir überall wieder antreffen.

Die nächste Brücke über den Tessin ist eine ganz besondere. Es ist eine Ponton-Brücke, bestehend aus vielen Schiffen.

Die dortige Sandbank ist ein beliebter Badestrand. Auch aus der Satelitenperspektive (Google-Earth) sieht das Bauwerk - oder ist es ein Schwimmwerk? - speziell aus.

Bei den Pfeilen hat es Zufahrtssperren für max. 210 cm Breite, was leider am Mobi ein Positionslämpchen hinten unten gekostet hat.

Am gleichen Ort: Entsorgung auf italienisch

mit interessanten Details für einen, der als Bub mit dem Traktor aufgewachsen ist,

Zapfwelle und Kugelgelenk am Hydraulikarm u.a. für die Ackerschiene.

Über die Schiffsbrücke fahren wir zu unserem letzten Etappenziel, VIGEVANO. Eine Kleinstadt mit einer herrlichen Piazza, wiederum im Renaissance-Stil.

An den Fassaden gibt es herrliche Motive zu bestaunen.

Und hier haben sie nicht einen Ponte coperto sondern eine Strada coperta.

Diese diente früher als sichere Verbindung zwischen verschiedenen Festungsanlagen.

Leider war damit das kurze, wenn auch verlängerte Wochenende schon wieder vorbei. Von Weitem grüssen schon die Alpen,

die wir durchs Centovalli und über den Gotthard überqueren.

BIS ZUM NÄCHSTEN MAL